Bildende Künstler

Der Kolumnist I



Text von Ulrike Ritter



Dr. U. & d. s. W.
1943 teilten Adolph Gottlieb und Mark Rothko der großen Tageszeitung New York Times in bekennerhafter Rhetorik mit: "Wir finden den einfachen Ausdruck komplexer Gedanken gut. Wir möchten, dass sich die Bildfläche neu behauptet. Wir sind für flache Formen, weil sie die Illusion zerstören und die Wahrheit hervortreten lassen". (sinngemäße Übersetzung aus dem Englischen von Dr.U. & den singenden Weichbären).

Dies war der Beginn einer bewussten, non-figurativen Abstraktion, die kunsttheoretisch von den parergonischen Überlegungen Clement Greenbergs gespeist wurde und die abstrakte Kunst in den USA von den surrealistischen Schematisierungen eines angeblichen Unbewussten befreite. Die KünstlerIn verschwand quasi komplett hinter dem Ansinnen, Bilder durch Farbfelder so zu gestalten, dass keinerlei Raumillusion entstehen konnte. Etwas lockerer sah das Helen Frankenthaler, die im selben Zeitraum und ebenfalls zur New York School gehörig, Gemälde aus selbstverteilenden Farbfeldern entstehen ließ. Die Farbverläufe auf ungrundierter Leinwand erfüllten nicht nur das Gebot der Flächenhaftigkeit und des Non-Figurativen, sondern brachten auch die malerischen Ambitionen der New York School mit denen der experimentellen Musik um John Cage zusammen, in denen der Zufall und die ästhetische Begebenheit (im Gegensatz zu einer irgendwie inthronisierten Gegebenheit) sich als Kunstwert entfalten durfte.

In gewisser Weise ähnlich, auch das Moment der Zugehörigkeit zu bestimmten stilprogrammatischen Gruppen und verschiedenen Disziplinen zeigend, ist vielleicht die Malerei, experimentelle Performance und Musik von Jutta Koether, die 2006 im Kölner Kunstverein zu sehen war, mit einem 160seitigen, 160 Abbildungen enthaltenen, deutsch-englischen Katalog bei DuMont fast pompös auftrat und vom 19.1. bis 11.3.2007 in der Kunsthalle Bern zu sehen sein wird.

Einige der großformatigen Werke erinnern in ihrem antifgurativen und Simulationen unterlaufenden Stil schon an die Farbfeld-Malerei der New Yorker Tradition. Gerade die schwarz-weißen, fotografisch anmutenden Arbeiten scheinen technisch mit Man Ray durchzuführen, was Rothko dem Surrealismus Miros antat. Andererseits findet sich immer wieder ein Strichmännchen, eine Haring-Figurette, ein Michelangelo-Thema oder ähnliches Inventar der Szene in diesen Bildern.....

Ist Jutta Koether Fluxus-Künstlerin? Radikal modern? Und Fluxus nicht tot? Oder ist die Ex-Spex-Redakteurin doch zu schick? Ein Blick in die New Yorker Ausstellung der Künstlerin in der Thomas Erben Gallery lässt vermuten: ja, sie ist zu schick. Sie präsentiert Tafelwerk, Tafelwerk, Tafelwerk. Aber die Rückkehr nach Köln, in die einstmalige Hochburg der neuen Musik beim allfinanzierenden Westdeutschen Rundfunk, hat die flukturienden Aspekte ebenfalls deutlich werden lassen. Welcome back to the european tradtion.

Und in der Gallery Thomas Erben hat uns am besten gefallen, nicht Jutta Koether, sondern Blalla Hallmanns "O Maria Jungfrau voller Gnade, 1990. Acrylic on glass, 120 x 110cm". Das Urteil der singenden Weichbären ist klar: "Great stuff!"

(Kleines Begriffslexikon: parergon: Vergleich der Werke, Streit der Künste - Malerei gegen Dichtung und Musik etc.; Spex - ewige Musikzeitschrift)
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