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Kunstguss: ein altes Handwerk, noch immer geschätzt

Bis heute wirken Reiterdenkmäler wie Ludwig Brunows Abbild von Friedrich Franz II. in Schwerin, genauso wie die zahllosen Brunnenfiguren und Statuen in historischen Park- und Schlossanlagen, auf uns Nachfahren äußerst majestätisch, gelegentlich sogar ehrfurchtgebietend.
»Der Denker«, Auguste Rodin, 1880 - 1882
© Foto: Daniel Stockman
Ziselieren
© EDITION STRASSACKER
Patinieren
© EDITION STRASSACKER


Das Verfahren des Bronzegusses ist seit der Antike bekannt und diente häufig dem Zweck, Kriegsführern und Adligen ein Denkmal zu setzen. Aber auch Skulpturen wie »Der Denker«, eines der Hauptwerke von Auguste Rodin, bleiben dem Betrachter durch Vielfalt und Detailgetreue dieses eigentlich so unbeugsamen und harten Materials in Erinnerung.



Möglich wird das durch ein Verfahren, das landläufig als Kunstguss oder auch als Sandguss bezeichnet wird. Es handelt sich dabei um die Herstellung einer Kopie des plastischen Objektes. In der Regel nutzt der Künstler dafür ein Tonmodell, von dem eine Negativform hergestellt wird. In diese Form wird dann die flüssige Bronze gegossen, die anschließend aushärten muss.

Sandguss als Grundlage für Langlebigkeit

Beim Sandgussverfahren handelt es sich um eine uralte Technik, die ebenfalls für das Herstellen feinster und filigraner Stücken genutzt wird. Ob im Schmuckbereich oder für Silberbestecke - um die oftmals winzigen aber sehr künstlerischen Ausprägungen sichtbar zu machen, wird ein Modell des Produkts hergestellt.

Dieses Urmodell wird letztlich im Sandgussverfahren in Bronze gegossen, so dass mehrere Arbeitsmodelle entstehen. Nach Abkühlung und Herausnahme der Modelle kann die Sandform austrocknen und vor allem aushärten, so dass die Sandform später als Vorlage für die Herstellung der eigentlichen Erzeugnisse dienen kann.

Ziselieren und Patinieren wichtige Arbeitsschritte

Als Ziselieren bezeichnen Fachleute jenen Arbeitsgang des Ziseleurs, bei dem Einguss- und Abluftkanäle abgetrennt und die Oberfläche des Materials mit großer Sorgfalt bearbeitet wird.

Mit Werkzeug wie Feile und Schaber, aber auch Schleif- und Polierhilfen ist es die Aufgabe der Kunsthandwerker, die kleinen Details eines Kunstwerkes herauszuarbeiten. Ob Blattstruktur oder die Frisur einer dargestellten Person, ob winzige Nuancen im Gesicht oder die Körperteile eines Tieres: Damit sie als Kunstwerk voll zur Geltung kommen, ist es nötig, selbst winzige Facetten herauszuarbeiten.

Das Patinieren stellt schließlich den letzten Arbeitsschritt dar. Um das Bronzewerk vor einer zu großen Farbveränderung als Folge einer natürlichen Oxidation zu bewahren, wird das Gesamtwerk mit einer besonderen Patina überzogen.

Die Zusammensetzung der Patinalösung ist von Künstler zu Künstler unterschiedlich und wird meist in langer Tradition weitergegeben. Maßgebend ist hierfür, dass die Skulptur durch das Auftragen der verschiedenen Lösungen eine besondere Schattierung und individuelle Farbnuancen erhält.

Durchgesetzt hat sich das Sandgussverfahren in Deutschland im 19. Jahrhundert, als die Zeit des monumentalen Bronzegusses für die bereits erwähnten überlebensgroßen Statuen sorgte. Heute wird dieses Verfahren nicht mehr in diesem Umfang genutzt, sondern dient vor allem dazu, Kunstobjekte für Sammler und Galerien herzustellen.







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