Bildende Künstler

Rainer Apfelbaum

Rainer Apfelbaum lebt als freischaffender Künstler mit Brotberuf in der Altenpflege in Augsburg und fällt der Kunstszene mehr und mehr durch Ausstellungen in etabliertesten...

Text von Dr. Ulrike Ritter




... Häusern und sein umfangreiches, konsistentes Werk mit dem Thema "krapplack - painting" auf, d.h., dunkelrote Farbe, rechteckige Bodenformen, Rauminstallationen zwischen Abstraktion und Fluxus.

Steht das Berliner Guggenheim vor der Tür?
Zumindest meinten wir von ARTOU, dass ein Interview und entsprechende Internetpräsentationen mehr als an der Zeit sind.

Ritter: Also, dann stelle ich mal von meinen Notizzetteln hier die erste, wichtigste Frage: "Wie geht's dir?"

Apfelbaum: Sehr gut.

Ritter: und wie geht's der Kunst?



Apfelbaum: Winter ist Pause für die Kunst. Man muss Projektideen sammeln, damit es im Frühjahr und Sommer wieder losgehen kann.

Ritter: Hast du schon Projektideen gesammelt?

Apfelbaum: Projektideen für Ausstellungen nicht, aber für Kunsttaten.

Ritter: Objekte, Installationen...

Apfelbaum: Objekte und Installationen, die immer minimalistischer werden. Am liebsten nur noch Farbklebeband am Fußboden und rote Farbe, flüssige. Das genügt. Je weniger, desto besser.

Ritter: Das geht dann wieder mehr in Richtung Malerei...?

Apfelbaum: Nein, das geht nicht in Richtung Malerei. Installation, Bodeninstallation.

Ritter: Um von meinen Zetteln abzuweichen...die flüssige Farbe ... so etwas wie Drip Painting, hat es damit zu tun?

Apfelbaum: Eigentlich hat es damit nichts zu tun.

Ritter: Wo ist dann die flüssige Farbe?

Apfelbaum: Das ist die Frage, wo ist die flüssige Farbe. Also, man muss schon etwas machen, z.B. einen Glaskasten oder ein Rechteck am Boden, eine Form dafür schaffen, ein kleines Aquarium, vielleicht mit lebendiger Aktion verknüpft: Jeden Tag rote Farbe hineintropfen lassen, sodass diese Farbe im Laufe der Ausstellung flüssig bleibt.

Ritter: In etwa wie das Dreieck aus Farbpigment in der Krapplack-Ausstellung?

Apfelbaum: Ja, das könnte man mit Farbpigment auch machen, aber flüssige, rote Farbe ist halt noch auffälliger.

Ritter: Gibt es im Moment Ausstellungen, in denen man das sehen kann?

Apfelbaum: Was jetzt kommt, ist eine kleine Ausstellung "Künstler helfen Obdachlosen".

Ritter: Eine Folgeausstellung zu dem Projekt von 2009?

Apfelbaum: Ja.

Ritter: Was machst du da genau?

Apfelbaum: Radio mit Aluminiumstange, die dann mit Farbklebeband "Vorsicht zerbrechlich" überklebt ist, vielleicht auch schon mit flüssiger Farbe.

Ritter: Radio?

Apfelbaum: Radio, genau. Genügt eigentlich.

Ritter: Gut. Man soll nicht alles verraten. Wie du Ausstellungen vorbereitest, wollte ich nun noch fragen.

Apfelbaum: Ganz tolle Frage. Die man aber schwer beantworten kann. Man muss sich die Räume vorher anschauen, damit man vielleicht schon für drei bis vier Räume etwas Spezielles machen kann. Dann ergibt sich die Sache meistens relativ spontan, je nachdem, an
welchem Thema man gerade arbeitet. Wie z.B. flüssige Farbe, - ganz abstrakt, minimalistisch, auf dem Fußboden. Dann versucht man eine Brücke zu schlagen, sodass es mit lebendigen Situationen ganz normal zu tun hat, vielleicht auch mit Geld oder Zeitungsausschnitten. Das konkretisiert sich im Laufe der Ausstellung. Im Höhmannhaus lief das ganz toll.



Ritter: Könntest du eine Installation aus deinem Atelier komplett verpflanzen?

Apfelbaum: Könnte man schon. Also, das Objekt, das du zuletzt im Atelier gesehen hast, stammte noch aus der Zeit, als Rechtecke mit Farbe bemalt wurden, und auch mit Alltagsbezug, Zeitungsartikeln, Kulturbezug, Künstlerleben, Künstlergegenwart, die ja schwieriger werden wird, jetzt wird wieder gespart...

Ritter: Werde ruhig deutlicher.

Apfelbaum: In Augsburg kann man es ganz deutlich sehen, das Historisches gefördert wird, an der Gegenwartskunst wird gespart.

Ritter: Hat sich an deiner Situation oder der von anderen Künstlern etwas geändert? Ist die Winterpause neu, gibt es weniger Perspektiven auf Projekte?

Apfelbaum: Winterpause... Augsburg ist sowieso Winterpause. Andererseits kann man das nicht so sagen, es gibt schon sehr viel
[Kunst und Künstler] in Augsburg, aber wohin dann damit - da fehlt der kritische Geist, oder das Wollen...

Ritter: Und das Geld, oder? Jammern die Institutionen und Galerien? 'Wir wollten eigentlich dieses Projekt machen, aber jetzt
fehlt uns das Geld'?

Apfelbaum: Sagen wir mal so, es wird so werden.

Ritter: O.k. Wie sind wir jetzt zu diesem extern klingenden Thema gekommen... Es gibt Objekte in deiner Kunst, aber auch so etwas wie Zeitungsartikel, d.h. die Leute sollen die Zeitungsartikel aus der flüssigen Farbe herausfingern, die lesbaren Stellen begierig suchen um nicht der Zensur des Zufalls anheimzufallen...

Apfelbaum: Optimal.

Ritter: Also Ortsbezogenheit. Und fundamentale Ideen, wie die Farbe Rot.

Apfelbaum: Ja, das gibt es immer. Die Farbe Rot oder, das hier ein Rechteck aufgeklebt wird, dass man einen Raum schafft... das sind schon fundamentale Sachen, die dann als Anfangspunkt immer dasein können.

Ritter: Das klingt irgendwie kunsttheoretisch. Wir haben ja schon mal über Clement Greenberg gesprochen, Flächenhaftigkeit des Bildes, amerikanische Farbfeldmalerei, die Zerlegung des Bildes in
formale Bestandteile als Materialien. Kommen die Fundamente so aus dem Formalen heraus - oder sind sie ursprünglich eher inhaltlich?

Apfelbaum: Inhaltlich und formal. Würde ich nicht trennen. Ich würde auch nicht sagen, dass es aus der Theorie kommt, sondern wirklich aus der Begeisterung am 'Machen'- Wenn ein Fahrrad mit farbigem Klebeband "Vorsicht zerbrechlich" beklebt wird oder auch die Leitern... würde ich als begeisternde Aktion sehen wie das Malen, aus der Theorie kommt es nicht. Oftmals sind ja auch die Objekte realer. Aber es ist schon eine grundlegende Idee, dass man sich vom Malen entfernt und mehr zum Monochromen, Einfachen kommt. Nur nicht aus der Theorie heraus.

Ritter: Aber du reflektierst es ästhetisch, das schließt einen formalen Blick ein. Wenn du sagst, du nimmst flüssige Farbe, ist das eine Aussage über deine künstlerischen Mittel. Keine mehr inhaltliche... Gibt es eigentlich einen Bezug zu deiner ursprünglichen Ausbildung im Bereich Design?

Apfelbaum: Grafikdesign, mit großer Begeisterung nicht abgeschlossen, bin ich sehr stolz drauf. Das war eine spannende Zeit, weil damals ein Meisterschüler von Beuys in Augsburg war, Jonas Haffner, dessen Unterricht sehr spannend war. Allerdings gab es da auch einen sehr großen Kontrast zwischen Design und Kunst oder Zeichnung, kann man sich gar nicht mehr vorstellen. Damals musste man das Design
ja noch perfektionistisch machen, ohne Computer. Beuys war ein toller Gegenentwurf.

Ritter: Obwohl der ja auch fantastisch zeichnete.

Apfelbaum: Genau. Das war auch eine extreme Vorstellung, man meinte, das war so geschmiert oder gekratzelt, war aber ganz genau.

Ritter: Du kannst im Prinzip auch fotorealistisch zeichnen.

Apfelbaum: Nö, das würde ich nicht so sagen. Ich musste normal Aquarell malen.

Ritter: Du könntest es nicht, weil die Hand es abwehrt.

Apfelbaum: Die Hand wehrt ab. Was man dazu sagen kann, komischerweise haben wir bei Beuys über die Zeichnung gesprochen, was mich eigentlich verblüfft bei Beuys, ist die bildhauerische Qualität. Oft glaubt man, das ist vielleicht nur irgendwie hingestellt oder aufgebaut wie die Sandsteine - aber da steckt etwas ganz Tolles dahinter, es ist meistens etwas Technisches mit dabei, ein Gerät oder so etwas, ein ganz toller Kontrast, Großes und Kleines, wie liegt was, das ist für mich auch immer ganz wichtig.
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