Birgit Schulze

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Laudatio

Birgit Schulze – Transformation des Unbewussten
Markleeberg, 4.11.07

liebe Birgit Schulze,, Sehr geehrte Damen und Herren -


Wer von Ihnen hier hat eigentlich schon einmal einen kellnernden Vogel gesehen ?

(Da wir uns in einem Kultur- u. Umweltzentrum befinden, erscheint mir die Frage als berechtigt!)

Aber während Sie darüber nachsinnen, lassen Sie mich folgendes noch zu bedenken geben:

"Der Maler braucht sich nicht mehr um
kleinliche Einzelheiten zu bemühen,
dafür ist die Photographie da, die
es viel besser und schneller macht. –
Es ist nicht mehr Sache der Malerei,
Ereignisse aus der Geschichte darzustellen;
die findet man in Büchern. -
Wir haben von der Malerei
eine höhere Meinung.
Sie dient dem Künstler dazu,
seine inneren Visionen auszudrücken."

So sagte Henri Matisse (1869-1954) bereits 1909. -
Hundert Jahre später müssen wir heute die abstrahierenden Ausdrucksweisen der Künstler nicht mehr rechtfertigen, -es hat sich ja überall ein wahrer Stilpluralismus
durchgesetzt, der letztlich a l l es erlaubt.

Bezeichnungen wie Abstrakter Expressionismus, Abstrakter Illusionismus, o. Abstractión Création gehören schon zum etablierteren Vokabular, und erscheinen auch umgangssprachlich zumutbar.

Aber wie allen Bemühungen der Kunstwissenschaft zum Trotz, sind künstlerische Manifste, Festlegungen auf einen Stil, heute weniger gefragt, denn je (in den letzten 1000 Jahren euop. KuGE) -
Was z ä h l t, sind die individuelle Handschrift u. Originalität.

Und „Wer Einsicht hat,“
wie die fernöstliche Weisheit sagt, der «gebraucht sein inneres Auge,
sein inneres Ohr, um die Dinge zu durchdringen und bedarf nicht verstandesmäßigen Erkennens.»


Damit wird offenbar auf das absolute Wissen des Unbewussten hingewiesen, zu dem uns Mitteleuropäern des 21. Jh.s heute der Zugang so schwer fällt.

„Transformation des Unbewussten“ ist ein Thema auch für Birgit Schulze, und sie bekennt:
„Nicht so leicht lässt sich das Unbewusste beschreiben.
Es kommt hervor,
wenn das Bewusste abgeschaltet
bzw in den Hintergrund gerückt
werden kann.
Dann wird die Welt freundlich und ist ohne Aggression.
Es herrschen Stille, Ruhe, Frieden, Freude vor.
Fantastisch-galaktische Welten transformieren sich aufs Papier, werden weggewaschen oder übermalt, Neues entsteht bis zu einem gewissen Endstadium,
dessen Datum nicht festliegt.“

Damit hat Birgit Schulze schon eine ganze Menge über sich und ihre Arbeitsweise
preisgegeben, was freilich auch beim aufmerksamen Betrachten ihrer Bilder
(vielen sicher zumindest unbewusst:) spürbar wird:

Für Birgit Schulze ist die Malerei eine Art Meditation.
Sie streift Hast und Lärm, Leistungsdruck und auch den Selbstschutz gegen Aggressionen ab.

Sie öffnet sich ihren Traumgesichten, -Sehnsüchten aus Zeiten, in denen alles offen war:

Weite sieht sie und viele kreisrunde Systeme, die schwerelos durch diese Weite treiben, ungehindert von kubischem Mauerwerk, das sie materie-los durchgleiten, oder an denen sie nach Belieben eine zeitlang andocken mögen.
Sie senden suchende Fühler aus, die tastenden Sensoren, wehrhaften Stacheln o. gar Saugarmen ähneln, während sie selbst, wie gigantische Augen,
nicht nur das gesamte Universum, sondern auch ihr nächstes Gegenüber genau zu erfassen scheinen.

Und ähneln sie- außer Raumkapseln u Planeten nicht auch unserer Erde, deren Häuser sich forsch gen Himmel recken? (Sonne, Wolken und Nebelmeer können ihnen nichts anhaben – sie existieren ja soo nur in Birgit Schulzes Unterbewusstsein.-

(Kein Wunder übrigens, dass ihr gerade Häuser zumindest zeichenhaft) als einige der wenigen konkreteren Formen im Unterbewussten erscheinen:

Schließlich - arbeitet sie seit 15 Jahren in einem Architekturbüro,
- ist seit mehr als ihrem halben Menschenleben mit einem Vollblutarchitekten verheiratet,

der überdies auch
das gemeinsame Wohn- und Atelierhaus selbst entwarf, welches nun in modernster Massivholz-Bauweise die Prinzipien eines flexiblen Grundrisses vereint mit einer großzügigen Ausrichtung zum Sonnenverlauf und dem Blick über die Stadt.
Elemente wie ein licht-durchfluteter zweigeschossiger Wintergarten und ein Turmzimmer hoch über dem Tal, als aktualisiertes italiénisierendes Motiv, das am Loschwitzer Elbhang seit dem19.Jh. Tradiotion hat, machen so jeden neuen Tag (und garantiert auch jede Nacht) zu einem besonderen Erlebnis. ---
Klar, - dass sich DORT auch das Unterbewusstsein weitet und in die Ferne schweift.--
Natürlich kommt dann die Freude an den Farben, und den Formen, die sie zu dynamisierenden, harmonisierenden und kontrastierenden Kräften werden lässt.
Rhythmus und Balance un- gleicher Farb- und Formgewichte, -ähnlich wie in der Musik, -sind Gegenstand der Malerei vieler abstrakter Künstler, doch bei Birgit Schulze erscheinen die visionären Formen teilweise so präzise, als hätte sie sie tatsächlich in der Realität einer anderen Welt gesehen.

Manchmal scheinen sie aus diffusen Gründen aufzutauchen, (die ursprünglich:
als Resultat einer sehr realitätsbezogenen Kritikfähigkeit entstanden, ) denn
was ihren Ansprüchen nicht genügt, wäscht sie in Schüssel oder Badewanne,
mit Schwamm und Pinsel wieder heraus.

(Gutes Aquarellpapier ist geduldig - u. der Kontakt mit Wasser ist
bis zu einem gewissen Grade eingeplant-), so ist, wie sie in einem flapsigen, persönlichen kleinen Traktat schreibt, „nach dem Wegwaschen:
nur mit INTENSITÄT
ins Papier
VORGEDRUNGENES FIXIERT
und bringt das
VERGNÜGEN NEUEN ENTDECKENS
und die
MÖGLICHKEIT DES WEITERMALENS
bis zum
ZEITPUNKT DES BETRACHTENS mit
GEWISSEM WOHLWOLLEN, - welches
den Abschluss bildet,-
(Was einigen MACHWWERKEN NIE
zuteil wird,
denen nur das VERSCHWINDEN
im DUNKEL DER MAPPE hilft.).“

Sie sehen, Birgit Schulze, hat eine Menge Humor.

Und wenn ihr Unterbewusstsein in fernere Galaxien schweift, wird ihr um so bewusster, dass all unser Hasten und Lärmen, der zivilisatorische Leistungsdruck und all unsere Aggressionen nur Staubkörnchen in einer wundervollen Unendlichkeit sind.

Und einige dieser kleinen Wunder hat sie selbst schon zeichnerisch untersucht –
- im Selbststudium, auf Reisen, oder in zeichnerischen Kursen,
wie etwa :
- Freies o. perspektivisches Zeichnen,
- Bildgestaltung
- o. Malerei
bei dem verehrten Michael Wöltjen
aus Verden a.d. Aller.

Bei Wöltjen hat sie u.a. grundlegendes Naturstudium betrieben:
beispielsweise den Wuchs einer Pflanze in Grafit auf Transparentpapier,
von wenigstens 4 verschiedenen Seiten, doch bei 4x dem gleichen Abstand,
den gleichen Größenverhältnissen u. perspektivischen Voraussetzungen.

Waren die skizzierten Ergebnisse befriedigend, konnten die Blätter übereinander gelegt, additiv als Vorlage für eine weitere, nun künstlerisch komprimierende Bearbeitung verwendet werden.
Ein schönes Exempel für das Begreifen des verdichtenden Charakters der Kunst, der manchem Autodidakten, ja sogar professionellen Künstlern o. Quereinsteiger,
trotz großem zeichnerischem Talent verborgen bleibt.

Zu solchen Grunderfahrungen über das Wesen der Kunst sollte m.E. auch die Erkenntnis gehören, dass erst das Naturstudium: die Arbeit vor der Natur und am Modell mit anatomischer Gründlichkeit beherrscht werden sollte, ehe man überhaupt
ans Abstrahieren denken sollte. Jeder einzelne Strich wäre sonst eine geistige Lüge, unwahr und eine Vortäusschung falscher nie gehabter Erkenntnisse.

Bei Birgit Schulze zeigen sich immer einmal wieder, u. auch in ihren neueren Arbeiten öfter reale optische Impressionen:

- die Bunten Segel v. 2006

+ die Gebündelten Papprollen im Ständer,
von der Sonne
zu Spielbällen ihrer Phantasie
erhoben (2003)
- die Ständerhäuser im Hochwasser (2002)
Wie auch schon
- Die erste Hauswand steht ! v. 1998 (?).


Ihre Gouache-Wasserfarben- Wash-and-Go-once-More-Methode
hat sie dabei schon zu einer beachtlichen individuellen Handschrift entwickelt, - probiert aber dennoch hier und da etwas neues:
- Ölmalerei zB,
- Aber das war nicht ihr Ding, zu verschwommen kamen dabei
ihre doch sehr präzisien Gedanken bewusste, oder unbewusste- zum Ausdruck.

In der diesjährigen Dresdner Sommerakademie probierte sie sich in der Kleinplastik:
wobei Bronzegüsse im Wachsausschmelzverfahren:
naiv-archaische, haptisch unwahrscheinlich reizvolle FIGUREN entstanden –
aber ich weiss! Ich darf noch nicht mehr verraten!

Aber wie ist es denn nun mit dem Kellnernden Vogel ???
Haben Sie ihn gleich erkannt ?
Wie er mit seinen 3 Tabletts jonglierend, mit erhobenem Haupt elegant und pflichtbewusst g e e i l t kommt ???

Gewiss, das Blatt scheint vielleicht sogar mehrfach abgewaschen und wieder trocken getupft und wieder bemalt, u. statt mit runden, einmal eben mit ovalen Kreisen,
u. e i n e m Spit-zschäbeligem,- in frischen, fröhlich bunten Farben -
und wieder betupft,
dass fast der optische Eindruck einer Monotypie entstand.

Denn es kann schon geschehen, dass er Ihnen,-
wenn Sie im Frühsommer am lichtdurchfluteten Fenster sitzen,
(einem möglichst großem Fenster mit weitem Blick, wie aus der Galerie im Wintergarten,
dass ER Ihnen zupfeift; „Hej, hier bin ich!
Hast Du meine Jungen gehört ?
Kräftig und immer hungrig!
Drum Tschüüüss ---ich muss!“….
Oder hat Birgit Schulze
unterbewusst
doch
etwas Ganz anderes gemeint ???
+ + +

Liebe B.Sch. – Dank
für die fröhliche und besinnliche Ausstellung !

Ich wünsche uns allen
einen vergnüglichen,
anregenden Nachmittag,
mit guten Gesprächen,
die Sie sich ganz bewussst
im Unterbewussten speichern sollten.


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