Semesterausstellungen und Rundgänge der Bauhaus-Universität
Die Bauhaus-Universität Weimar öffnet regelmäßig ihre Werkstätten, Studios und Ausstellungsräume für die Öffentlichkeit. Bei Semesterabschlussausstellungen und dem jährlichen Rundgang zeigen Studierende aller Fachbereiche ihre Arbeiten – von Bildhauerei und Malerei über Produktdesign und Architektur bis zu Medienkunst und Urbanistik. Diese Formate sind die zentralen öffentlichen Ereignisse der Weimarer Kunstszene. Vorläufer der heutigen Universität waren die 1860 von Großherzog Carl Alexander gegründete Großherzoglich-Sächsische Kunstschule und die 1907 entstandene Kunstgewerbeschule; aus ihrem Zusammenschluss ging 1919 das von Walter Gropius gegründete Staatliche Bauhaus hervor, dessen zentrale Gebäude der Belgier Henry van de Velde entworfen hatte. Bis 1925 blieb das Bauhaus in Weimar, bevor es nach Dessau übersiedelte; den heutigen Namen Bauhaus-Universität Weimar erhielt die Hochschule erst 1995 durch Beschluss des Konzils.
Tag des offenen Ateliers und Städtisches Atelierhaus
Einmal im Jahr laden Weimarer Künstlerinnen und Künstler zum Tag des offenen Ateliers, der bereits in mehr als 29 Ausgaben stattgefunden hat. Eine feste Anlaufstelle der freien Szene ist das Städtische Atelierhaus in der Karl-Haußknecht-Straße: Das 1905 im Jugendstil errichtete Gebäude zählt zu den ältesten Künstlerhäusern dieser Art in Deutschland und bietet elf Ateliers mit Oberlicht sowie eine Druckwerkstatt. Die Stadt Weimar vergibt die Arbeitsräume nach Bewerbung für jeweils fünf Jahre mit Verlängerungsoption; ein Teil des Hauses dient zugleich dem internationalen Atelierprogramm der ACC Galerie für Gastkünstlerinnen und Gastkünstler. Die Bandbreite der Weimarer Museumslandschaft zeigt sich auch im Museum Neues Weimar am Theaterplatz, dessen Gebäude von 1863 bis 1868 als Großherzogliches Museum errichtet und im April 2019 mit der Schau »Van de Velde, Nietzsche und die Moderne um 1900« neu eröffnet wurde.
Kunsthalle Harry Graf Kessler
Die Kunsthalle am Goetheplatz wurde 1880 im Stil der venezianischen Renaissance als Gebäude der Permanenten Kunstausstellung errichtet; 1897 erhielt sie ihre venezianische Palastfassade. Bereits 1892, zur goldenen Hochzeit von Großherzog Carl Alexander und Großherzogin Sophie, war dem Bau ein Oberlichtsaal als Erweiterung hinzugefügt worden. Unter ihrem Direktor Harry Graf Kessler, der die Geschicke des Hauses von 1903 bis 1906 leitete, fanden bedeutende Präsentationen französischer impressionistischer Kunst statt; am 15. Dezember 1903 wurde dort der Deutsche Künstlerbund gegründet. Seit 2006 wird die Kunsthalle vom Stadtmuseum Weimar betrieben und zeigt wechselnde Ausstellungen zeitgenössischer und historischer Kunst, begleitet von Künstlergesprächen und Führungen.
Atelierbesuche in Weimar
Die Bauhaus-Universität bedeutet, dass Weimar verhältnismäßig viele aktive Künstlerinnen und Künstler auf kleinem Raum hat. Viele Ateliers liegen in der fußläufigen Altstadt oder in umgenutzten Gebäuden nahe dem Stadtzentrum, darunter das Ateliernetzwerk rund um das e.werk Weimar. Das 1997 gegründete e.werk weimar nutzt das um 1897 errichtete, einst von den Weimarer Stadtwerken betriebene Kraftwerk am Kirschberg als soziokulturellen Veranstaltungsort; in den ehemaligen Verwaltungs- und Trafogebäuden vermietet die dort ansässige Ateliergemeinschaft Arbeitsräume semesterweise an Studierende und Absolventinnen und Absolventen der Bauhaus-Universität. Einzelne Ateliers im Umfeld des e.werks lassen sich meist per Nachricht über Website oder Instagram vereinbaren.
Ein Besuch in Weimar verbindet historische und zeitgenössische Kunstgeschichte auf engstem Raum: vom Bauhaus-Museum bis zur Kunsthalle Harry Graf Kessler, vom Semesterrundgang der Universität bis zum Tag des offenen Ateliers liegt alles in wenigen Gehminuten voneinander.