»offensichtlich::« – offene Ateliers im Zweijahresrhythmus
Alle zwei Jahre verwandelt sich Freiburg für ein Wochenende in eine Stadt der offenen Ateliers: Beim Festival »offensichtlich::« öffnen an einem Septemberwochenende rund 140 Künstlerinnen und Künstler aus Freiburg und der näheren Umgebung ihre Arbeitsräume für Besucherinnen und Besucher. Teilnehmen dürfen nur Kunstschaffende aus der Region oder Gäste, die eigens in ein Freiburger Atelier eingeladen wurden – ein Format, das gezielt auf lokale Verwurzelung setzt statt auf ein offenes Bewerbungsverfahren. Besucherinnen und Besucher erleben dabei Malerei, Fotografie, Skulptur, Keramik und Druckgrafik direkt am Entstehungsort und kommen mit den Künstlerinnen und Künstlern ins Gespräch – ein Zugang, den eine reine Galerieausstellung nicht bietet.
Organisiert wird »offensichtlich::« vom Berufsverband Bildender Künstlerinnen und Künstler Südbaden (BBK Südbaden) und seinem T66 Kulturwerk, unterstützt von der Stadt Freiburg, dem Regierungspräsidium, der Sparkasse Freiburg und dem Kulturmagazin Kulturjoker. Der BBK Südbaden vertritt die Künstlerschaft der Region seit weit über fünf Jahrzehnten, das T66 Kulturwerk besteht noch länger und bildet das organisatorische Rückgrat der freien Kunstszene. Seine Wurzeln reichen bis zum Frankfurter Künstlerkongress von 1971 zurück, aus dem die berufspolitische Selbstorganisation der westdeutschen Künstlerverbände hervorging.
Atelierhäuser in Freiburg
Zwischen den Ausgaben von »offensichtlich::« bleiben mehrere Atelierhäuser feste Adressen der Freiburger Künstlerschaft, darunter die Villa Mitscherlich, Atelierhäuser in der Langemarkstraße und der Baslerstraße sowie das E-Werk: Das um 1900 errichtete Elektrizitätswerk produzierte bis in die 1950er-Jahre Gleichstrom, bevor Künstlerinnen und Künstler die stillgelegten Betriebsräume 1989 besetzten und daraus ein Kulturhaus mit 15 Einzelateliers und drei Projekträumen machten. Diese vier Häuser bilden zusammen mit kleineren Ateliergemeinschaften das Rückgrat der Freiburger Künstlerschaft zwischen den zweijährlichen Ausgaben von »offensichtlich::«. Gerade weil das Festival nur alle zwei Jahre stattfindet, sind diese festen Atelierhäuser für Besucherinnen und Besucher der eigentlich verlässliche Zugang zur Freiburger Werkstattszene. Wer Kontakt zu einer Künstlerin oder einem Künstler sucht, findet die passenden Angaben am besten über deren eigene Website oder Social-Media-Kanäle, da die Häuser selbst in erster Linie Arbeitsräume und keine durchgehend geöffneten Ausstellungsorte sind.
Augustinermuseum und PEAC Museum als Ergänzung
Das Augustinermuseum geht auf das 1278 gegründete Augustinerkloster zurück; unter Oberbürgermeister Otto Winterer wurde das Gebäude zum Museum umgewidmet, dessen Sammlung seit den 1880er-Jahren gewachsen ist. Führungen erschließen die mittelalterliche Sammlung, die sakrale Kunst und Werke der südbadischen Malerei, darunter rund ein Dutzend Gemälde und mehr als 800 Grafiken des in Bernau im Schwarzwald geborenen Malers Hans Thoma.
Das PEAC Museum macht seit 1997 eine private Sammlung zeitgenössischer Kunst öffentlich zugänglich; eigene Ausstellungen zeigt es seit 2004, seinen heutigen Namen trägt es seit 2019 – benannt nach dem Sammler Paul Ege, der im selben Jahr starb. Seit 2008 trägt eine Stiftung die Sammlung. Die Verbindung aus privater Sammlung und öffentlicher Zugänglichkeit schafft ein Vermittlungsformat, das sich von den städtischen Häusern unterscheidet; Führungen finden nach Voranmeldung statt.
Wer den Freiburg-Besuch ausweiten möchte, kombiniert die Werkstattszene der Stadt am besten mit einem Abstecher in den südlichen Schwarzwald: Dörfer wie Bernau, Heimat des Malers Hans Thoma, liegen in weniger als einer Autostunde und zeigen, wie eng Landschaft und bildende Kunst in der Region seit jeher verbunden sind. So lässt sich ein Freiburg-Tag mit Atelierbesuchen in der Stadt am Vormittag und einer Fahrt in den Schwarzwald am Nachmittag zu einem zusammenhängenden Bild der südbadischen Kunstlandschaft verbinden.