Was KI-Website-Builder leisten können
Tools wie Wix ADI, Squarespace Blueprint oder Jimdo Dolphin erstellen auf Basis von nur wenigen Eingaben – Branche, gewünschter Stil, gewünschte Seitenanzahl – einen ersten Entwurf, den die Nutzerin oder der Nutzer anschließend weiter bearbeiten kann. Die rein technische Umsetzung – Responsive Design, Ladezeiten, eine funktionierende Basisstruktur – ist bei diesen Tools in der Regel zuverlässig. Was sie dagegen nicht können: das eigentliche Werk kuratieren, eine Vita strukturieren, die den konkreten Erwartungen des Kunstbetriebs entspricht, oder einen ästhetischen Rahmen schaffen, der das Werk wirklich stärkt, statt es lediglich in eine generische Template-Optik einzubetten. KI erzeugt im Webdesign-Kontext meist das Durchschnittliche, nicht das wirklich Spezifische. Das liegt am zugrunde liegenden Funktionsprinzip: Die Tools generieren Vorschläge auf Basis von Mustern aus großen Mengen bestehender Websites, nicht auf Basis einer inhaltlichen Bewertung des individuellen Werks.
Wo der Einsatz sinnvoll sein kann
Für einen schnellen Einstieg – wer bisher noch keine eigene Website hat und kurzfristig eine erste Basisadresse braucht – kann ein KI-Builder eine sinnvolle vorläufige Lösung sein. Als dauerhaftes Instrument für eine längere künstlerische Karriere haben diese Tools jedoch eine grundlegende Schwäche: Sie bieten generische Strukturen für ebenso generische Bedürfnisse. Eine Künstler-Website nach Kunstbetriebsstandard hat spezifische Anforderungen: Vita, Werkdokumentation mit vollständigen Angaben, Statement, Ausstellungsverzeichnis. Diese Struktur muss manuell in die KI-generierten Templates eingepflegt werden – und das ist keine KI-Leistung mehr, sondern die gleiche Arbeit wie ohne KI. Ein KI-Builder kann in einem solchen Fall trotzdem als Lernhilfe dienen: Wer die automatisch generierten Strukturen analysiert, bekommt ein Gefühl dafür, welche Bausteine eine Website überhaupt braucht, bevor eine händische Anpassung erfolgt.
Was bei der Nutzung zu beachten ist
KI-generierte Texte auf der eigenen Website sind für aufmerksame Leser erkennbar und werden von Galerien und Institutionen, die täglich zahlreiche Bewerbungen und Portfolios lesen, entsprechend registriert. Das betrifft vor allem Statement und Vita: beides muss in eigener Sprache stehen. KI kann durchaus helfen, eine bestehende Rohversion zu überarbeiten oder verschiedene sprachliche Varianten zu prüfen – einen vollständigen Statement-Ersatz kann sie jedoch nicht liefern. Die Electronic Frontier Foundation weist ausdrücklich auf Datenschutzfragen bei KI-Diensten hin, die hochgeladene Inhalte zur eigenen Modellverbesserung nutzen können – ein Punkt, der besonders für Bildende Künstler relevant ist, die eigene Werkabbildungen in solche Systeme einspeisen.
Was bei der Bildnutzung zu beachten ist
Ein separater Punkt betrifft nicht den Text, sondern die Bilder: Manche KI-Website-Builder schlagen automatisch generierte oder aus Bilddatenbanken stammende Hintergrundbilder und Layoutelemente vor. Für eine Künstler-Website ist das in der Regel ungeeignet – die eigene Werkfotografie sollte die einzige visuelle Substanz der Seite sein, nicht generische Stockbilder oder KI-generierte Füllgrafiken, die vom eigentlichen Werk ablenken. Wer Werkabbildungen in einen KI-Website-Builder hochlädt, sollte vorher die Nutzungsbedingungen des Anbieters prüfen: Manche Anbieter behalten sich ausdrücklich das Recht vor, hochgeladene Inhalte zur weiteren Verbesserung eigener Systeme zu verwenden, was bei urheberrechtlich geschützten Werkabbildungen sowohl rechtlich als auch praktisch durchaus bedenklich sein kann. Wer unsicher ist, ob ein Text KI-generiert wirkt, kann ihn jemandem zeigen, der die eigene Arbeit nicht kennt – generische, beliebig austauschbare Formulierungen fallen außenstehenden Lesern oft deutlich schneller auf als der Autorin oder dem Autor selbst.