Galerien in der Innenstadt
Oldenburg hat eine aktive Galerienszene in der Innenstadt mit mehreren Häusern für zeitgenössische Kunst unterschiedlicher Preisniveaus. Druckgrafik und Arbeiten auf Papier sind besonders gut vertreten – nicht zuletzt durch das Erbe von Horst Janssen und die durch das Haus für Medienkunst geprägte Aufmerksamkeit für medienbasierte Arbeiten. Speziell auf das Werk Janssens ausgerichtet sind die Galerie und Verlag St. Gertrude sowie die Galerie Brockstedt, die regelmäßig Originale und Editionen des Zeichners anbieten.
Horst-Janssen-Museum und Grafikhandel
Das Horst-Janssen-Museum eröffnete im Jahr 2000 und geht auf eine Schenkung des Sammlerpaares Carin und Carl Vogel zurück, das rund 1.800 Arbeiten des Zeichners, Radierers, Holzschneiders und Plakatkünstlers stiftete. Originale und Drucke von Horst Janssen sind darüber hinaus über spezialisierte Kunsthändler und auf Auktionen in Hamburg und Bremen erhältlich. Das Museum bietet im Shop Kataloge und ausgewählte Editionen. Wer das Werk Janssens näher kennenlernen möchte, beginnt am besten mit einem Museumsbesuch, bevor er in den Primärmarkt einsteigt.
Horst Janssen: Herkunft und Werk
Horst Janssen wurde am 14. November 1929 in Hamburg geboren, wuchs aber bei seiner Mutter und seinen Großeltern in der Oldenburger Lerchenstraße auf. 1945 zog er zurück nach Hamburg und studierte dort an der Landeskunstschule bei Alfred Mahlau. 1968 erhielt er den Grand Prix für Grafik der Biennale von Venedig. Die Stadt Oldenburg machte ihn 1992 zum Ehrenbürger; nach seinem Tod 1995 in Hamburg wurde er, wie testamentarisch verfügt, auf dem Oldenburger Gertrudenfriedhof beigesetzt, wo bereits seine Großeltern und seine Mutter ruhten – dessen Namen auch die Hamburger Galerie und Verlag St. Gertrude trägt.
Oldenburger Kunstverein
Der Oldenburger Kunstverein wurde am 22. Januar 1843 zur „Belehrung über Kunstgegenstände und Förderung des Kunstsinns" gegründet und zählt zu den älteren Kunstvereinen Deutschlands. Großherzog und Großherzogin traten als Mitglieder bei, woraus sich bis 1918 eine enge Verbindung des Vereins zum großherzoglichen Haus entwickelte. 1867 bezog der Verein mit dem im Stil eines florentinischen Palazzos errichteten Augusteum sein erstes festes Haus, in dem auch die herzogliche Gemäldegalerie untergebracht war; das nach umfassender Sanierung 2015 wiedereröffnete Gebäude beherbergt heute die Galerie Alte Meister des Landesmuseums mit italienischer, französischer, niederländischer und deutscher Malerei vom Spätmittelalter bis zum Spätbarock; um 1890 zählte er bereits rund 460 Mitglieder. Ausstellungen der Brücke-Maler 1908 und 1910 zählen zu den Höhepunkten seiner Geschichte. Heute organisiert der Verein Wechselausstellungen mit Verkaufsoption und ist eine erste Anlaufstelle für zeitgenössische Positionen aus der Region.
Medienkunst und zeitgenössischer Direktkauf
Das Haus für Medienkunst Oldenburg – bis zur Umbenennung im Februar 2025 wegen der NS-Vergangenheit seiner Namensgeberin als Edith-Russ-Haus bekannt – entstand im Jahr 2000 aus einer Stiftung für ein „Haus für die Kunst im Übergang zum neuen Jahrtausend". Es hat kein eigenes Verkaufsprogramm, vermittelt aber Kontakte zu internationalen Künstlerinnen und Künstlern, die im Rahmen von Atelierstipendien in Oldenburg gearbeitet haben. Für zeitgenössische Medienkunst bieten Ausstellungseröffnungen und Veranstaltungen des Hauses direkten Kontakt zu zeitgenössischen Positionen; Editionen medienbasierter Kunst finden sich auf einschlägigen Onlineplattformen und bei spezialisierten Galerien.
Wer in Oldenburg gezielt nach Originalen sucht, kombiniert am besten den Rundgang durch die Innenstadtgalerien mit einem Besuch im Horst-Janssen-Museum und den Wechselausstellungen des Kunstvereins – drei Wege, die sich in einer Stadt dieser Größe gut an einem Tag verbinden lassen.