Kunstraum Potsdam und Schiffbauergasse
Das Areal der Schiffbauergasse am Ufer der Havel ist Potsdams lebendiges Kreativquartier. Das namensgebende Gebäude, eine 1880 bis 1882 nach Plänen von Baurat Bernhardt errichtete königliche Garnison-Dampfwäscherei, diente nacheinander dem kaiserlichen Heer, der Reichswehr, der Wehrmacht und nach 1945 dem sowjetischen Geheimdienst, bevor dort bis zu einem Brand 1988 der VEB Rewatex Textilien wusch. Seit 1991 nutzen Kulturinitiativen das Gelände; der Waschhaus e.V. wurde 1993 gegründet, die Sanierung war 2008 abgeschlossen. Der Kunstraum Potsdam zeigt seit seiner Eröffnung 2006 im benachbarten Schirrhof, einem ehemaligen Husaren-Pferdestall, acht Ausstellungen im Jahr; begleitende Vernissagen, Künstlergespräche und offene Formate machen das Programm zugänglich. Im selben Quartier sind das vom Pritzker-Preisträger Gottfried Böhm entworfene Hans Otto Theater, Potsdams Staatstheater seit 2006, das internationale Tanzzentrum fabrik Potsdam mit den jährlichen Potsdamer Tanztagen und das Theater- und Theaterpädagogikzentrum T-Werk beheimatet.
KunstHaus Potsdam: Führungen und Vermittlung
Das KunstHaus Potsdam e.V. wurde 2002 gegründet und hat seinen Sitz im ehemaligen Pferdelazarett der Garde-Ulanen-Kaserne. Die Künstler Hubertus von der Goltz und Frank Michael Zeidler erwarben die verfallenen Gebäude im Jahr 2000 und bauten sie ohne öffentliche Förderung in Eigeninitiative zu einem Kunstort um; die historische Bausubstanz aus den Jahren 1869 und 1924 blieb dabei erhalten. Das heute denkmalgeschützte Ensemble umfasst eine Ausstellungshalle und vier Künstlerateliers. Ergänzend zeigt das 2017 eröffnete Museum Barberini am Alten Markt dauerhaft die Sammlung des Software-Unternehmers Hasso Plattner mit impressionistischen und postimpressionistischen Gemälden, darunter rund 40 Werke von Claude Monet; das ursprünglich von Friedrich dem Großen errichtete, im Zweiten Weltkrieg zerstörte Palais wurde von 2013 bis 2016 nach Plänen der Architekten Hilmer & Sattler und Albrecht wiederaufgebaut. Als größter Kunstverein Brandenburgs bietet das KunstHaus Führungen, Kunstgespräche, Vorträge und Filmabende an und vernetzt Künstlerinnen und Künstler, Sammlerinnen und Sammler sowie kunstinteressiertes Publikum. Ein erweitertes Begleitprogramm mit Atelier- und Sammlungsbesuchen rundet das Angebot ab. Auch das Filmmuseum Potsdam zählt zu den Häusern, die Werkstattcharakter und Kunstvermittlung verbinden: Es residiert im Marstall, dem mit einer 1685 von Johann Arnold Nering errichteten Orangerie ältesten erhaltenen Bauwerk der Stadt, das 1714 zum königlichen Reit- und Wagenpferdestall umgebaut und 1746 unter Georg Wenzeslaus von Knobelsdorff erweitert wurde; seit 1981 zeigt das Haus dort seine filmhistorische Sammlung mit angegliederter Werkstatt für Restaurierung und Vermittlung. In der Dauerausstellung »Traumfabrik – 100 Jahre Film in Babelsberg« sowie in wechselnden Sonderschauen wird Filmgeschichte erlebbar gemacht, ergänzt um ein Kino mit täglichem Programm aus historischen Filmen und neueren Produktionen.
Atelierbesuche in Potsdam
Viele in Potsdam lebende Künstlerinnen und Künstler, darunter zahlreiche, die auch in der Berliner Szene aktiv sind, empfangen Besucherinnen und Besucher auf Anfrage. Besonders in den Villenvierteln und im Holländischen Viertel mit seinen charakteristischen roten Backsteinhäusern finden sich Ateliers in historischen Gebäuden, eingebettet zwischen Galerien, Cafés und Geschäften. Der erste Kontakt gelingt meist über die eigene Website oder den Instagram-Auftritt.
Potsdam lässt sich gut mit einem Tagesausflug planen: Museum Barberini, Kunstraum Potsdam und KunstHaus Potsdam in der Schiffbauergasse sowie ein Spaziergang durch das Holländische Viertel ergeben ein vollständiges Kunstprogramm. Das Filmmuseum im historischen Marstall liegt nur wenige Gehminuten vom Alten Markt entfernt und lässt sich gut in den Rundgang einbeziehen.