Die Prägung
Potsdam ist als preußische Residenzstadt gebaut worden: Friedrich der Große ließ Schloss Sanssouci 1747 errichten; Park Sanssouci, Neues Palais und die Schlösser des Heiligen Sees bilden ein Ensemble, das seit 1990 zum UNESCO-Weltkulturerbe zählt. Diese Architekturgeschichte ist kein Hintergrundmotiv, sondern bestimmend für das Stadtbild und den Charakter Potsdams als Kunstort. Hinzu kommt die Geschichte als Filmstadt: Das Filmstudio Babelsberg, 1912 gegründet, ist das älteste Großatelier der Welt und hat Generationen von Filmemacherinnen und Filmemachern angezogen. Das Verhältnis zur benachbarten Hauptstadt Berlin -- 30 bis 40 Minuten mit S-Bahn oder Regionalzug -- prägt die Potsdamer Kunstszene strukturell: Viele in Potsdam lebende Bildende Künstlerinnen und Künstler sind im Berliner Ausstellungsbetrieb aktiv und nutzen Potsdam als ruhigeren, günstigeren Produktionsort.
Arbeiten in Potsdam
Die Schiffbauergasse, ein ehemaliges Industriegelände am Havelufer, hat sich zum wichtigsten Kunst- und Kulturquartier Potsdams entwickelt. Neben Theater- und Veranstaltungsräumen befinden sich hier das Hans Otto Theater und das Waschhaus -- ein Kulturzentrum, in dem der Kunstraum Potsdam angesiedelt ist. Der Kunstraum Potsdam zeigt rund acht Ausstellungen im Jahr mit nationalen und internationalen zeitgenössischen Positionen außerhalb des kommerziellen Galeriebetriebs. Das KunstHaus Potsdam e.V., der größte Kunstverein Brandenburgs und Mitglied der Arbeitsgemeinschaft Deutscher Kunstvereine, bietet Ausstellungsräume, Vermittlungsprogramme und ein Netzwerk für Bildende Künstlerinnen und Künstler der Region. Für Kunstschaffende, die sowohl in Berlin als auch in Potsdam aktiv sind, verbindet die Stadt niedrige Mietpreise und Ruhe mit dem Zugang zum größten Kunstmarkt Deutschlands -- eine Kombination, die Potsdam für viele zur Alternative oder Ergänzung des Berliner Atelierbetriebs macht. Die Schiffbauergasse ist dabei mehr als ein einzelner Ort: Sie steht für eine Entwicklung, die in vielen deutschen Städten stattgefunden hat -- die Umwandlung industrieller Brachflächen in Kultur- und Kreativquartiere. In Potsdam verbindet sich diese Entwicklung mit dem besonderen Charakter einer Stadt, die Weltkulturerbe und freie Kunstszene auf wenigen Quadratkilometern vereint. Das gibt Potsdam eine Eigenheit, die andere Residenzstädte nicht haben: Die Schlösser und Parks sind kein Gegensatz zur Kunstszene, sondern ihr Hintergrund -- und manchmal auch ihr Ausstellungsort.
Ausstellungen in Potsdam
Das Museum Barberini am Alten Markt ist das jüngste und international bekannteste Ausstellungshaus der Stadt. Der Unternehmer Hasso Plattner ließ das zerstörte Barockpalais rekonstruieren und eröffnete das Museum 2017 mit einer Dauersammlung von 115 Impressionismus-Werken: 40 Gemälde von Claude Monet machen das Haus zur dichtesten Monet-Sammlung Europas außerhalb von Paris; Renoir, Sisley und Berthe Morisot sind ebenfalls vertreten. Wechselausstellungen internationaler Leihgaben ergänzen die Dauersammlung. Die Turmvilla an der Glienicker Brücke zeigt Klassische Moderne und Gegenwartskunst in wechselnden Ausstellungen. Das KunstHaus Potsdam und der Kunstraum Potsdam am Waschhaus bieten das zeitgenössische Programm; private Galerien in der Innenstadt und den historischen Villenvierteln ergänzen das Angebot.
Potsdam heute
Potsdam ist eine Stadt, in der Geschichte und Gegenwartskunst nicht nebeneinander stehen, sondern voneinander profitieren. Das UNESCO-Welterbe zieht ein Publikum, das auch die Kunsthäuser besucht; das Museum Barberini, das der SAP-Mitgründer Hasso Plattner am 23. Januar 2017 am Alten Markt eröffnete, hat die Stadt seither als Kunstziel auf die Karte gesetzt; die Schiffbauergasse gibt der freien Szene einen Ort. Für Kunstinteressierte aus Berlin ist Potsdam ein lohnender Tagesausflug – und für Kunstschaffende ein Arbeitsort, der die Ruhe einer mittelgroßen Stadt mit der Anbindung an eine Weltmetropole verbindet.