Was der Kunstbetrieb unter einer Vita versteht
Im Kunstbetrieb ist die Vita kein Lebenslauf im Sinne einer Bewerbungsmappe. Sie listet ausgewählte relevante Informationen in einer bestimmten Reihenfolge auf. Standardmäßig gehören dazu: Ausbildung (Kunsthochschule, Universität, Meisterschüler), Einzelausstellungen in rückwärtiger Chronologie mit Ort und Institution, Gruppenausstellungen (selektive Auswahl, nicht vollständig), Stipendien und Preise, Ankäufe und Sammlungen sowie gegebenenfalls Lehr- und Lehrstühltätigkeiten. Angaben wie Geburtsort, Staatsangehörigkeit oder sonstige Beschäftigungen gehören typischerweise nicht dazu oder werden nur auf explizite Anfrage ergänzt.
Was auf einer Künstler-Website unter "Vita" zu finden sein sollte
Auf einer Website können Vita und Statement getrennt zugänglich sein. Die Vita in tabellarischer oder strukturierter Form gibt Galerien und Institutionen schnell Auskunft ohne Nachfrage. Das Statement ergänzt das, was die Vita nicht leisten kann: den inhaltlichen Kontext des Werks. Ein Foto der Person, aufgenommen im Atelierkontext oder in der Werkpräsentation, vervollständigt den Eindruck. Die NNG dokumentiert, dass Besucher Informationsseiten zuerst nach dem Namen und der Beschreibung der Person scannen – Klarheit schlägt Vollständigkeit.
Was keine Vita ist
Ein Fließtext, der beschreibt, wie die Person zur Kunst kam und was sie bewegt, ist kein Lebenslauf und keine Vita – es ist ein Statement oder eine Biografie. Beides hat seinen Platz, aber keines ersetzt das andere. Viele Künstler-Websites verwechseln diese Formate, mit dem Ergebnis, dass weder das eine noch das andere vollständig ist. Der Begriff "Über mich" ist auf Künstler-Websites unüblich und gehört nicht zum Vokabular des Kunstbetriebs.