Was der Kunstbetrieb unter einer Vita versteht
Im Kunstbetrieb ist die Vita kein Lebenslauf im Sinne einer Bewerbungsmappe. Sie listet ausgewählte relevante Informationen in einer bestimmten Reihenfolge auf. Standardmäßig gehören dazu: Ausbildung (Kunsthochschule, Universität, Meisterschüler), Einzelausstellungen in rückwärtiger Chronologie mit Ort und Institution, Gruppenausstellungen (selektive Auswahl, nicht vollständig), Stipendien und Preise, Ankäufe und Sammlungen sowie gegebenenfalls Lehr- und Lehrstühltätigkeiten. Angaben wie Geburtsort, Staatsangehörigkeit oder sonstige Beschäftigungen gehören typischerweise nicht dazu oder werden nur auf explizite Anfrage ergänzt. Bei Einzelausstellungen ist die Reihenfolge wichtig: Das jüngste Jahr steht oben, ältere folgen absteigend – eine aufsteigende Sortierung wirkt im Kunstbetrieb unüblich und kann als Unkenntnis der Konventionen gelesen werden. Lücken in der Ausstellungstätigkeit müssen nicht erklärt werden; eine Vita ist eine Auswahl, kein vollständiges Protokoll jeder beruflichen Aktivität. Wichtiger ist Konsistenz: Wenn Einzelausstellungen mit Ort, Institution und Jahr aufgeführt werden, sollte dieses Format für alle Einträge gelten, nicht nur für die prominentesten.
Was auf einer Künstler-Website unter "Vita" zu finden sein sollte
Auf einer Website können Vita und Statement getrennt zugänglich sein. Die Vita in tabellarischer oder strukturierter Form gibt Galerien und Institutionen schnell Auskunft ohne Nachfrage. Das Statement ergänzt das, was die Vita nicht leisten kann: den inhaltlichen Kontext des Werks. Ein Foto der Person, aufgenommen im Atelierkontext oder in der Werkpräsentation, vervollständigt den Eindruck. Die NNG dokumentiert, dass Besucher Informationsseiten zuerst nach dem Namen und der Beschreibung der Person scannen – Klarheit schlägt Vollständigkeit. Diese Beobachtung hat eine direkte Konsequenz für das Layout: Name und kurze Einordnung (Medium, Stadt, gegebenenfalls Vertretung durch eine Galerie) sollten oben stehen, bevor die Vita im Detail folgt. Wird die Vita als PDF zum Download angeboten, sollte zusätzlich eine kurze Webversion vorhanden sein – viele Besucher öffnen keine PDFs auf mobilen Geräten.
Was keine Vita ist
Ein Fließtext, der beschreibt, wie die Person zur Kunst kam und was sie bewegt, ist kein Lebenslauf und keine Vita – es ist ein Statement oder eine Biografie – eine Form, die den Werdegang erzählerisch darstellt und auf einer Künstler-Website ergänzend, aber nicht als Ersatz für die Vita stehen kann. Beides hat seinen eigenen Platz auf der Website, aber keines ersetzt jeweils das andere vollständig. Viele Künstler-Websites verwechseln diese Formate, mit dem Ergebnis, dass weder das eine noch das andere vollständig ist. Der Begriff "Über mich" ist auf Künstler-Websites unüblich und gehört nicht zum Vokabular des Kunstbetriebs.
Häufige Formatierungsfehler
Drei Fehler wiederholen sich auf Künstler-Websites besonders häufig. Erstens: uneinheitliche Datumsformate innerhalb derselben Liste, etwa „2021" neben „2019-20" neben „Frühjahr 2018" – das wirkt unsorgfältig und erschwert das schnelle Erfassen. Zweitens: Abkürzungen von Institutionsnamen ohne vorherige Nennung der vollen Bezeichnung, was Leser außerhalb des unmittelbaren Umfelds ausschließt. Drittens: das Vermischen von Kategorien, etwa wenn Gruppenausstellungen, Messeteilnahmen und Vorträge unsortiert in einer einzigen Liste erscheinen, statt nach Kategorie getrennt zu werden. Jeder dieser Fehler ist leicht zu vermeiden, wird aber regelmäßig übersehen, weil die Vita oft zuletzt und unter Zeitdruck aktualisiert wird. Eine kurze Kontrolle vor jeder Aktualisierung – von oben nach unten lesen und auf Einheitlichkeit prüfen – deckt die meisten dieser Fehler zuverlässig auf, ohne dass eine außenstehende Person hinzugezogen werden muss.