Offene Ateliers der Bonner Altstadt
Künstlerinnen und Künstler der Bonner Altstadt laden einmal im Jahr zu den »Offenen Ateliers der Bonner Altstadt« ein; 2020 fand die Veranstaltung bereits zum 26. Mal statt. An einem Wochenende öffnen zahlreiche Ateliers im Viertel ihre Türen für Publikum, das ohne Voranmeldung direkt mit den Kunstschaffenden ins Gespräch kommen kann. Ein vorab veröffentlichter Plan führt von Adresse zu Adresse durch die engen Gassen der Altstadt.
Atelierhaus des Bonner Kunstvereins
In der Dorotheenstraße betreibt der 1963 gegründete Bonner Kunstverein seit 2004 ein Atelierhaus mit sieben geförderten Atelierräumen für Künstlerinnen und Künstler mit Wohnsitz im Bonner Raum. Die Arbeitsplätze werden nach Bewerbung und Jurywahl für bis zu 30 Monate vergeben. Der Verein selbst entstand am 24. Mai 1963 in der Godesberger Galerie Schütze, gegründet von einer Bonner Künstlergruppe um Paul Magar, Gerhard Neumann und Ernemann Sander gemeinsam mit kunstinteressierten Bürgerinnen und Bürgern. Einmal im Jahr öffnet das Haus im Rahmen eigener Offener Ateliers für die Öffentlichkeit und gibt Einblick in laufende künstlerische Prozesse, von der Bildhauerei bis zur Malerei.
kunstBRENNEREI und weitere Ateliergemeinschaften
Die kunstBRENNEREI, ein 1890 errichtetes ehemaliges Brennereigebäude in der Kölnstraße, beherbergt auf zwei Etagen elf Künstlerinnen und Künstler in einer gemeinsamen Ateliergemeinschaft, ergänzt um eine Bildhauerwerkstatt, eine Kunstbuch-Bibliothek und ein Gartenatelier. An den Offenen Ateliertagen öffnet das Haus jeweils samstags und sonntags von 14 bis 19 Uhr für Publikum. Weitere Ateliergemeinschaften wie art-quantius5 in der Quantiusstraße nahe dem Hauptbahnhof, das multimedial ausgerichtete Atelierflow und die Werkstatt für Kunst von arte fact e.V. erweitern die Bandbreite der Bonner freien Szene. Im Stadtteil Beuel beherbergt die Brotfabrik, eine seit 1986 kulturell genutzte ehemalige Bäckerei, neben Theater und Kino auch Ateliers und Probenräume für Kunstschaffende.
Museen als Ergänzung: Kunstmuseum Bonn, Bundeskunsthalle und August-Macke-Haus
Kunstmuseum Bonn und Bundeskunsthalle bieten regelmäßige Führungen, auch hinter die Kulissen in Restaurierung, Sammlung und Ausstellungsproduktion. Sonderveranstaltungen wie Late-Night-Öffnungen oder begleitende Werkstattgespräche ermöglichen einen vertieften Zugang. Das Kunstmuseum Bonn, 1947 aus der privaten Sammlung Obernier hervorgegangen, erwarb 1949 mit dem »Türkischen Café« und dem »Seiltänzer« zwei frühe Werke August Mackes; der 1992 eröffnete Neubau des Berliner Architekten Axel Schultes gilt als eines der wichtigen Beispiele deutscher Museumsarchitektur der vergangenen Jahrzehnte. Die benachbarte Bundeskunsthalle entstand nach jahrzehntelanger Standortdebatte: Bundeskanzler Helmut Kohl legte 1989 den Grundstein für den Bau nach Plänen des Wiener Architekten Gustav Peichl, der 1992 eröffnet wurde und mit über 5500 Quadratmetern Ausstellungsfläche sowie einem rund 8000 Quadratmeter großen Dachgarten zu den größten Ausstellungshäusern Deutschlands zählt. Das August-Macke-Haus im Kessenicher Viertel ist Gedenkstätte und Ausstellungsort zugleich; wechselnde Sonderpräsentationen widmen sich dem Rheinischen Expressionismus und geben einen persönlichen Einblick in die Arbeitsumgebung eines der bedeutenden deutschen Expressionisten. 1989 gründete sich der Trägerverein »August Macke Haus«, im selben Jahr erwarben das Land Nordrhein-Westfalen und der Bonner Bauunternehmer Herbert Hillebrand das Gebäude, um Mackes einstiges Atelier fachgerecht zu restaurieren und der Öffentlichkeit zugänglich zu machen.
Ein Besuch in Bonn lässt sich gut verbinden: Atelierhaus des Bonner Kunstvereins und kunstBRENNEREI liegen ebenso wie Bundeskunsthalle, Kunstmuseum Bonn und August-Macke-Haus in kurzer Fahrraddistanz zueinander. Die enge Verbindung zur Kölner Szene macht zudem einen Besuch beider Städte naheliegend.