Haus am Wehrsteg: ein Trafohaus wird Künstlerhaus
Das Haus am Wehrsteg liegt direkt am Neckar unterhalb der Alten Brücke. Der backsteinrote Bau mit Garten und Turm wurde vom Architekten Paul Bonatz entworfen, der zur selben Zeit auch an Stuttgarts Hauptbahnhof arbeitete, und diente ursprünglich als Trafohaus der städtischen Stromversorgung; später wohnte dort ein Wehrwärter, der die angrenzende Neckarschleuse betreute.
1972 wandte sich die Künstlerin Eva Vargas, geborene Eva Auderer und zuvor als Wirtschaftsjournalistin tätig, an die Stadt Heidelberg, die das Gebäude kurz zuvor von der Wasser- und Schifffahrtsverwaltung des Bundes übernommen hatte, und mietete es als Atelier. Ab Mitte der 1960er Jahre arbeitete Vargas freischaffend und autodidaktisch zwischen Heidelberg und Berlin; ihr Werk verband Musik, Text und Lyrik mit bildender Kunst. Von 1972 bis 1984 nutzte sie das Haus als Atelier, von 1984 bis zu ihrem Tod 2010 lebte sie dort. Seit 2013 führt der Künstler Matthis Bacht das Haus nach einer öffentlichen Ausschreibung der Stadt Heidelberg fort und zeigt dort eigene Arbeiten und Ausstellungen mit Gästen.
Heidelberger Forum für Kunst und Heidelberger Kunstverein
Das Heidelberger Forum für Kunst geht auf den Zusammenschluss von sechs Heidelberger Künstlern im Jahr 1978 zurück: Rainer Selg, Werner Schaub, Fritz Jarchov, Manfred Zentsch, Karl-Ludwig Diehl und Bodo Bremer gründeten die Gruppe mit dem Ziel, die Kunstszene der Stadt zu beleben und sich unabhängig von kommerziellen Galerien gemeinsam zu präsentieren; ihre erste Aktion war die Beteiligung am Architekturwettbewerb für das Prinz-Carl-Palais am Kornmarkt. Nach fast zwei Jahrzehnten in der Werkstattgalerie der Altstadt zog der inzwischen auf rund 120 Künstlerinnen und Künstler sowie etwa 70 Fördermitglieder angewachsene Verein in die Kulturbrauerei Heidelberg in der Heiliggeiststraße 21 um, wo er bis heute unabhängig von kommerziellen Galerien zeitgenössische Kunst zeigt.
Der Heidelberger Kunstverein wurde am 7. Juli 1869 auf Initiative des Kaufmanns Ludwig Horst gegründet und zeigte am 26. August desselben Jahres seine erste Ausstellung; damit ist er der jüngste der badischen Kunstvereine nach Freiburg (1827), dem Vorläufer des Karlsruher Kunstvereins (1831) und Mannheim (1833). Vor dem Bezug eines eigenen Hauses war der Verein an mehreren provisorischen Orten untergebracht, darunter von 1903 bis 1914 im dritten Stock des Heidelberger Rathauses. Das heutige Gebäude in einem Innenhof an der Hauptstraße 97, das sich der Kunstverein mit dem Kurpfälzischen Museum teilt, entstand nach Plänen des Architekten Dieter Quast und wurde 1990 mit der Ausstellung »Blau – Farbe der Ferne« eröffnet, die rund 120.000 Besucherinnen und Besucher aus dem ganzen Bundesgebiet anzog. Auf 450 Quadratmetern, im Skulpturenhof und im Medienraum bietet der Verein seither Führungen, Künstlergespräche und Vernissagen an, die den direkten Kontakt zu ausstellenden Künstlerinnen und Künstlern öffnen.
Kurpfälzisches Museum als Ergänzung
Den Grundstock des Kurpfälzischen Museums legte der französische Adlige Charles de Graimberg, der ab 1810 systematisch Kunst- und Kulturgegenstände zur Geschichte der Kurpfalz sammelte; die Stadt Heidelberg erwarb die Sammlung 1879. 1908 zog das Museum in das Palais Morass, das der Architekt Johann Adam Breunig 1712 für den Tabakhändler Philipp Morass auf dem Grundstück einer ehemaligen Herberge für Bedürftige errichtet hatte. Die Sammlung umfasst heute rund 2.600 Gemälde und 700 Plastiken vom späten 15. bis ins 21. Jahrhundert, mit Schwerpunkten auf Porträts kurpfälzischer Persönlichkeiten, niederländischer Malerei des Goldenen Zeitalters und der Heidelberger Romantik. Zu den Werken zählt der Windsheimer Zwölfbotenaltar, den der Bildhauer Tilman Riemenschneider 1509 für die Pfarrkirche St. Kilian in Windsheim im Auftrag der Witwe Elisabeth Bachknapp schuf. Führungen verbinden Stadtgeschichte und Kunstgeschichte und erschließen auch das Barockpalais selbst als Ausstellungsstück.
Wer Kontakt zu einer Heidelberger Künstlerin oder einem Künstler sucht, findet die passenden Angaben am besten über deren eigene Website oder Social-Media-Kanäle. Heidelberg und Mannheim liegen rund 20 Kilometer voneinander entfernt und sind per S-Bahn in etwa 15 Minuten verbunden – wer einen Kunsttag plant, kann das Haus am Wehrsteg und den Heidelberger Kunstverein am Vormittag mit einem Besuch der Kunsthalle Mannheim am Nachmittag verbinden.