Die Prägung
Die Kunsthalle Mannheim, 1909 in einem Jugendstilbau des Architekten Hermann Billing eröffnet, gilt als eine der ersten Bürgersammlungen der Moderne weltweit: Die Sammlung wurde nicht von einem Fürsten zusammengekauft, sondern durch bürgerliches Engagement aufgebaut -- ein Modell, das für das frühe 20. Jahrhundert ungewöhnlich war. Über 2.000 Gemälde, 300 Skulpturen und rund 30.000 Arbeiten auf Papier umfasst der Bestand; Caspar David Friedrich, Édouard Manet, Auguste Rodin, Oskar Kokoschka und Edvard Munch sind vertreten -- eine Sammlung, die von der Romantik über den Impressionismus und Expressionismus bis zur Neuen Sachlichkeit reicht. Mit dem 2018 eröffneten Erweiterungsbau des Architekturbüros gmp wurde die Ausstellungsfläche erheblich erweitert und das Haus baulich erneuert.
Arbeiten in Mannheim
Der Jungbusch, bis zur Industrialisierung ein Hafenviertel, hat sich seit den 1990er Jahren zum Kreativquartier entwickelt. In den alten Lagerhäusern, Fabrikgebäuden und ehemaligen Hafenspeichern haben Bildende Künstlerinnen und Künstler Atelierflächen eingerichtet; Projekträume und kleinere Galerien ergänzen das Angebot. Die Neckarstadt-West, ein Arbeiterviertel mit günstigen Gewerbeflächen, ist ebenfalls ein Schwerpunkt der freien Szene. Die Popakademie Baden-Württemberg, 2003 in Mannheim gegründet, und die Staatliche Hochschule für Musik und Darstellende Kunst schaffen ein kulturelles Milieu, von dem auch Bildende Künstlerinnen und Künstler profitieren: eine aktive Veranstaltungsszene, ein dichtes und kunstaffines Publikum und Mietpreise, die im Vergleich zu Frankfurt am Main oder Stuttgart deutlich niedriger liegen. Der Kunstverein Mannheim und die Ausstellungsräume der Kunsthalle bieten freien Positionen eine institutionelle Anbindung. Für Bildende Künstlerinnen und Künstler, die die Rhein-Neckar-Region als Arbeitsort wählen, kommt hinzu, dass Heidelberg, Karlsruhe und Ludwigshafen in kurzer Fahrtzeit erreichbar sind -- das Einzugsgebiet für Ausstellungen und Kooperationen ist entsprechend groß.
Ausstellungen in Mannheim
Die Kunsthalle Mannheim zeigt die historische Sammlung in Dauerausstellung und Wechselausstellungen in den Räumen des 1909er Baus und des Erweiterungsbaus von 2018. Die Reiss-Engelhorn-Museen, ein Museumskomplex aus mehreren Häusern in der Innenstadt, vereinen Archäologie, Kulturgeschichte und Naturkunde; das museum ZEPHYR -- Raum für Fotografie zeigt Wechselausstellungen zeitgenössischer und dokumentarischer Fotografie. Private Galerien in der Innenstadt und in den Kreativquartieren Jungbusch und Neckarstadt-West zeigen zeitgenössische Positionen. Mannheim profitiert von der Lage im Rhein-Neckar-Dreieck: Heidelberg (rund 20 km), Karlsruhe mit ZKM und Staatlicher Kunsthalle (rund 60 km) und Ludwigshafen sind in kurzer Fahrzeit erreichbar. Wer in Mannheim mehrere Ausstellungen besucht und die Kreativquartiere erkundet, kann ein Programm zusammenstellen, das von der Romantik und dem Impressionismus der Kunsthalle bis in die Ateliers des Jungbusch reicht.
Mannheim heute
Mannheim verbindet die institutionelle Stärke der Kunsthalle -- eine der ersten Bürgersammlungen der Moderne -- mit einer freien Szene, die ihren Schwerpunkt in den Kreativquartieren Jungbusch und Neckarstadt-West hat. Was die Stadt auszeichnet, ist das Verhältnis zwischen historischer Planung und organischem Wachstum: Der Quadrateplan gibt der Innenstadt ihre Übersichtlichkeit; der Jungbusch gibt der freien Szene ihren Raum. Für Kunstinteressierte, die eine Kunststadt ohne Berliner Hype und ohne Münchner Touristendichte suchen, ist Mannheim ein lohnender Ausgangspunkt für die Kunstregion Rhein-Neckar. Die Kombination aus einer bedeutenden historischen Sammlung, einem lebendigen Kreativquartier und der Einbindung in das Rhein-Neckar-Dreieck macht Mannheim zu einem Ort, der mehr bietet, als seine Bekanntheit vermuten lässt.