Das Städel Museum und die Stiftung Johann Friedrich Städels
Den Grundstein der Frankfurter Museumslandschaft legte der Bankier und Gewürzhändler Johann Friedrich Städel, der in der endgültigen Fassung seines Testaments vom 15. März 1815 sein Haus am Roßmarkt, seine Kunstsammlung und sein Vermögen einer eigens zu gründenden Stiftung vermachte. Aus diesem Stiftungsbrief ging das Städelsche Kunstinstitut hervor, das bis heute als älteste und renommierteste bürgerliche Museumsstiftung Deutschlands gilt und der Stadt Frankfurt am Main ihren Ruf als Sammlungsort von internationalem Rang entscheidend mitbegründete. Auf rund 3.000 Gemälden, 600 Skulpturen, mehr als 4.000 Fotografien und über 100.000 Zeichnungen und Grafiken erstreckt sich die Sammlung des Städel Museums heute über sieben Jahrhunderte europäischer Kunstgeschichte – von der Frührenaissance über Rembrandt und die deutschen Impressionisten bis zur Klassischen Moderne und Gegenwart, und macht das Frankfurter Haus zu einem Pflichtbesuch für Kunstinteressierte aus aller Welt.
Die Städelschule
Städels Testament sah neben dem Unterhalt der Sammlung ausdrücklich auch die Ausbildung von Künstlerinnen und Künstlern vor: Ab 1817 wurden zunächst Stipendien an Einzelpersonen vergeben, ehe daraus 1827 mit der Städelschule eine eigenständige Lehreinrichtung entstand. 1830 teilte die Verwaltung der Stiftung das Kunstinstitut endgültig in Sammlung und Lehrbetrieb, und mit dem Nazarener Philipp Veit übernahm erstmals ein Direktor zugleich die Leitung der Gemäldesammlung und eine Professur für Historienmalerei. In den 1920er-Jahren entwickelte sich die Städelschule unter ihrem Direktor Fritz Wichert mit Lehrenden wie Max Beckmann und Willi Baumeister zu einer der einflussreichsten deutschen Kunstakademien; heute firmiert die Frankfurter Hochschule als unabhängige Staatliche Hochschule für Bildende Künste und genießt international einen exzellenten Ruf für die Förderung künstlerischer Eigenständigkeit, der bis in die Gegenwart Generationen von Absolventinnen und Absolventen prägt.
Die Schirn Kunsthalle
Am 28. Februar 1986 eröffnete im Herzen der Frankfurter Altstadt, an einem bis zur Zerstörung am 22. März 1944 dicht besiedelten Ort nahe Römerberg und Nikolaikirche, die Schirn Kunsthalle. Der ab 1983 von dem Architekturbüro BJSS – Dietrich Bangert, Bernd Jansen, Stefan Jan Scholz und Axel Schultes – entworfene, mit hellem Sandstein verkleidete Bau verbindet eine rund 140 Meter lange, fünfgeschossige Ausstellungshalle mit einer kuppelüberdachten Rotunde von etwa zwanzig Metern Durchmesser, die als markanter Haupteingang das höchste Bauwerk der Schirn bildet. Mit großen, oft thematisch angelegten Wechselausstellungen zur Kunst des 20. und 21. Jahrhunderts zählt das Frankfurter Haus seit nunmehr vier Jahrzehnten zu den meistbeachteten Ausstellungshallen Deutschlands und hat die Innenstadt zu einem zentralen Anlaufpunkt für Wechselausstellungen von internationalem Zuschnitt gemacht.
Das Museum für Moderne Kunst
Auf eine Initiative des Kunstkritikers Peter Iden geht die Gründung des Museums für Moderne Kunst im Jahr 1981 zurück; 1982 fiel die Standortwahl auf eine Baulücke im historischen Zentrum, und am 17. Mai 1983 erhielt der Wiener Architekt Hans Hollein den Auftrag für den Museumsbau. Nach achtjähriger Planungs- und Bauzeit eröffnete das MMK im Juni 1991 unter Gründungsdirektor Jean-Christophe Ammann in Holleins postmodernem, dreieckigem Gebäude, das die Frankfurterinnen und Frankfurter wegen seiner charakteristischen Form bis heute liebevoll „Tortenstück" nennen. Mit mehr als 5.000 Werken internationaler Kunst seit den 1960er-Jahren präsentiert das MMK eine der bedeutendsten Sammlungen zeitgenössischer Kunst in Europa und gilt mit seiner singulären postmodernen Architektur als eines der Wahrzeichen der Frankfurter Museumslandschaft.
Das Museumsufer
Bereits 1973 brachte der Architekt Till Behrens seine Grüngürtel-Mainufer-Konzeption in das Frankfurter Forum für Stadtentwicklung ein; 1977 griff der damalige Kulturdezernent Hilmar Hoffmann die Idee auf und entwickelte sie gemeinsam mit Oberbürgermeister Walter Wallmann zum Konzept eines zusammenhängenden Museumsensembles am Schaumainkai – mit dem Ziel, „Kultur für alle" auf beiden Seiten des Mains zugänglich zu machen, wie Hoffmann 1979 in seinem gleichnamigen Buch festhielt. Nach Plänen des Frankfurter Büros Albert Speer und Partner blieben die historischen Wilhelminer Villen am Mainufer weitgehend erhalten und wurden für Museumszwecke umgenutzt; zwischen 1980 und 1990 kamen zahlreiche Erweiterungs- und Neubauten hinzu. Heute zählen rund 39 Häuser zum Frankfurter Museumsufer, das damit zu den dichtesten und meistbesuchten Museumslandschaften Europas gehört und der Stadt am Main weit über die Region hinaus Ausstrahlung verschafft.
Frankfurt heute
Zwischen der Stiftungstradition des Städel, der Lehrpraxis der Städelschule, den Ausstellungshäusern Schirn und MMK sowie dem Museumsufer als verbindendem Rahmen hat sich Frankfurt am Main zu einer Stadt entwickelt, in der sich Sammlungstiefe, Kunstvermittlung und zeitgenössische Praxis auf engstem Raum begegnen. Auf BK.net präsentieren Künstlerinnen und Künstler aus Frankfurt ihre Arbeiten in einer Bandbreite, die von der Malerei über Fotografie, Installation und zeitbasierte Medien bis zu zeitgenössischen Mischformen reicht, und machen damit sichtbar, wie lebendig die Frankfurter Kunstszene am Main bis heute geblieben ist.
