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Kunst im Fokus

Das Doppelbildnis: Zwei in einem Bild

Im Doppelbildnis rücken zwei Menschen in einem einzigen Bild zusammen – als Paar, als Rivalen oder als Verbündete. Die Gattung reicht von den Hochzeitsporträts der flämischen Frührenaissance bis zu den subversiv-ironischen Doppelbildern der Moderne und stellt Malerinnen und Maler bis heute vor die Frage, wie zwei Persönlichkeiten in einer Komposition ihren Platz finden.

Eine Gattung, zwei Figuren: Entstehung und Funktion

Das Doppelbildnis ist eine Sonderform des Porträts, die zwei Personen in einem gemeinsamen Bildraum vereint. In der mittelalterlichen Tafelmalerei gab es bereits Diptychen – zwei getrennte, über Scharniere verbundene Tafeln, die jeweils eine Person zeigten und gemeinsam aufgestellt wurden. Doch erst in der Frührenaissance entstand das Doppelbildnis im heutigen Sinne: zwei Figuren in einem einheitlichen Raum, in einer sorgfältig abgestimmten Komposition, die ihr Verhältnis zueinander sichtbar macht. Häufig waren solche Bilder Auftragswerke anlässlich von Hochzeiten oder Verlobungen, dienten der Repräsentation von Herrscherpaaren oder hielten die Verbindung zweier bedeutender Persönlichkeiten für die Nachwelt fest. Die kompositorische Herausforderung des Doppelbildnisses liegt in der Balance: Wie viel Raum erhält jede Person? Wenden sich die Figuren einander zu oder blicken sie parallel aus dem Bild? Berühren sie sich, oder hält die Komposition Distanz? Jede dieser Entscheidungen trägt zur erzählten Beziehung bei.

Jan van Eyck: die Arnolfini-Hochzeit (1434)

Als frühes und wegweisendes Beispiel des Doppelbildnisses gilt Jan van Eycks „Arnolfini-Hochzeit" von 1434, heute in der National Gallery in London. Das Gemälde zeigt Giovanni di Nicolao Arnolfini und seine Frau in einem Innenraum; ein konvexer Spiegel im Hintergrund öffnet den Bildraum und spiegelt zugleich zwei weitere Figuren – möglicherweise Zeugen der Szene, darunter vielleicht van Eyck selbst. Die Komposition balanciert zwei Persönlichkeiten in einem gemeinsamen Raum und nutzt Geste, Blick und Körperhaltung, um ihre Beziehung zu charakterisieren. Seit dem 19. Jahrhundert ist das Bild Gegenstand intensiver ikonografischer Diskussion: Handelt es sich um ein Hochzeitsritual, ein Erinnerungsbild oder beides zugleich? Diese Offenheit macht es zu einem Schlüsselwerk des Doppelporträts – und der Kunstgeschichte insgesamt. Kein anderes Bild des 15. Jahrhunderts hat eine vergleichbare Flut von Interpretationen und Gegenhypothesen ausgelöst.

Piero della Francesca und Hans Holbein: Varianten des Doppelporträts

Piero della Francescas Diptychon der Herzöge von Urbino (um 1472/73, Uffizien Florenz) zeigt Federico da Montefeltro und seine Frau Battista Sforza in strenger Profilansicht auf zwei einander zugewandten Tafeln, vor einem weiten Landschaftspanorama. Da Battista Sforza 1472 gestorben war, entstand das Doppelbildnis vermutlich als posthumes Gedächtniswerk; die formale Strenge der Profilporträts verleiht ihm einen feierlich-memorativen Charakter. Die Rückseiten schildern die Triumphzüge des Paares – ein Bildprogramm, das dynastischen Anspruch und humanistisches Selbstbewusstsein verbindet. Eine andere Strategie wählte Hans Holbein der Jüngere: Sein Doppelbildnis „Die Gesandten" (1533, National Gallery London) zeigt Jean de Dinteville und Georges de Selve, zwei hochrangige Diplomaten des französischen Königs, flankiert von einer Fülle wissenschaftlicher und musikalischer Instrumente – ein gelehrtes Stillleben, das den Bildungsanspruch der Dargestellten ebenso dokumentiert wie die Vergänglichkeit aller Dinge, symbolisiert durch den berühmten, perspektivisch verzerrten Schädel im Vordergrund.

Rubens, Kahlo und die Vielfalt des Doppelbildnisses

Peter Paul Rubens schuf um 1609/10 eines der bekanntesten Hochzeits-Doppelbildnisse der europäischen Malerei: „Rubens und Isabella Brant in der Geißblattlaube" (Alte Pinakothek München), das ihn selbst und seine frisch angetraute Frau in einem Garten zeigt – prächtig gekleidet, einander die Hände reichend, von Efeu und Geißblatt umrankt. Das Bild entstand aller Wahrscheinlichkeit nach als Geschenk für die Schwiegermutter kurz nach der Hochzeit im Oktober 1609. Es illustriert, wie das Doppelbildnis in der Barockmalerei nicht nur Ähnlichkeit, sondern auch gesellschaftliche Zugehörigkeit und eheliches Glück sichtbar machen sollte. Jahrhunderte später wandelte Frida Kahlo das Doppelbildnis in etwas grundlegend Anderes: „Die zwei Fridas" (1939) zeigt die Künstlerin zweimal nebeneinander, mit zwei unterschiedlichen Herzen und miteinander verbundenen Adern – ein Selbstgespräch in Bildform, das persönlichen Schmerz, mexikanische Identität und die Trennung von Diego Rivera in ein einziges Doppelporträt verdichtet. Kaum ein anderes Doppelbild des 20. Jahrhunderts hat diese radikale Innerlichkeit je erreicht.

Das Doppelbildnis heute: Nähe, Spannung, BK.net

Was ein Doppelbildnis erzählt, hängt immer von der Spannung zwischen seinen beiden Hälften ab: Nähe oder Distanz, Symmetrie oder Asymmetrie, Harmonie oder Konflikt. Im 20. Jahrhundert haben Maler wie Oskar Kokoschka oder David Hockney – letzterer etwa in seinen Doppelporträts befreundeter Paare aus den 1970er-Jahren – die Gattung in neue psychologische Territorien geführt. Zeitgenössische Künstlerinnen und Künstler nutzen das Doppelporträt darüber hinaus, um Fragen von Identität, Geschlecht und sozialer Zugehörigkeit zu verhandeln: Wer erscheint wie neben wem, und was sagt das Bild damit über Macht und Nähe aus? Auf BK.net finden sich Doppelbildnisse in unterschiedlichsten Medien – von der klassischen Ölmalerei bis zu Fotografie und Mixed Media –, die zeigen, wie lebendig und wandlungsfähig diese alte Gattung bis in die Gegenwart geblieben ist.