Bildende Künstler

Kunst im Fokus

Künstler in München: Vom Blauen Reiter zu den Pinakotheken

München vereint im Kunstareal der Maxvorstadt eine der traditionsreichsten Münchner Akademien mit Sammlungen von Weltrang und dem Erbe des „Blauen Reiter". Von der Akademie der Bildenden Künste über die Pinakotheken bis zum Lenbachhaus reicht eine Münchner Kunstlandschaft, die klassische Ausbildung, Sammlungstiefe und Gegenwart auf engstem Raum verbindet.

Die Akademie der Bildenden Künste München

Die Wurzeln der Münchner Kunstausbildung reichen bis in das Jahr 1770 zurück, als Kurfürst Max III. Joseph auf Bitten der Hofkünstler Franz Xaver Feichtmayr, Thomas Christian Winck und Roman Anton Boos eine „Zeichnungs-, Mahler- und Bildhauerschule" genehmigte. Auf dieser Grundlage wurde am 13. Mai 1808 die „Königliche Akademie der Bildenden Künste München" mit Abteilungen für Malerei, Bildhauerei, Kupferstecherkunst und Baukunst konstituiert; erster Direktor wurde Johann Peter von Langer, vormals Leiter der Düsseldorfer Akademie, während der Philosoph Friedrich Wilhelm Joseph Schelling als erster Generalsekretär amtierte. In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts entwickelte sich die Akademie zu einem internationalen Zentrum der Kunst, 1886 bezog sie das noch heute genutzte Gebäude an der Akademiestraße im Herzen des Münchner Kunstareals. Bis in die Gegenwart zählt sie zu den zentralen Ausbildungsstätten für Malerei, Bildhauerei, Grafik und Bühnenbild im deutschsprachigen Raum und prägt Generationen Münchner Künstlerinnen und Künstler.

Der Blaue Reiter

Einen Wendepunkt der europäischen Kunstgeschichte markierte das Jahr 1911, als sich Wassily Kandinsky und Franz Marc nach einem Zerwürfnis mit der Neuen Künstlervereinigung München von dieser lossagten und unter dem Namen „Der Blaue Reiter" eine eigene Münchner Ausstellung organisierten. Den Namen, so erklärte Kandinsky zwei Jahrzehnte später, verdankte die Gruppe Marcs Vorliebe für Pferde und seiner eigenen Vorliebe für Reiter sowie der gemeinsamen Liebe zur Farbe Blau. Im Frühjahr 1912 erschien im Münchner Verlag Piper der von Kandinsky und Marc herausgegebene „Almanach Der Blaue Reiter" mit mehr als 140 Werkabbildungen und 14 Aufsätzen, der die kunsttheoretischen Ideen der Gruppe einem breiten Publikum vermittelte. Neben Kandinsky und Marc gehörten unter anderen Gabriele Münter, August Macke und Paul Klee zu den prägenden Köpfen dieser losen Künstlervereinigung, die sich mit dem Beginn des Ersten Weltkriegs 1914 wieder auflöste, aber bis heute als einer der einflussreichsten Aufbrüche der klassischen Moderne gilt und das künstlerische Profil Münchens nachhaltig mitbestimmt hat.

Das Lenbachhaus

Die Städtische Galerie im Lenbachhaus eröffnete 1929 in der ehemaligen Künstlerresidenz Franz von Lenbachs, die der führende Münchner Porträtist seiner Zeit zwischen 1887 und 1890 gemeinsam mit dem Architekten Gabriel von Seidl in unmittelbarer Nähe zum Königsplatz errichten ließ; nach dem Verkauf des Anwesens an die Stadt München 1924 ging auch ein Großteil seines malerischen Nachlasses in städtischen Besitz über. Zum zentralen Ort der Erforschung und Vermittlung der Kunst des „Blauen Reiter" wurde das Münchner Haus jedoch erst durch eine zweite, weit folgenreichere Schenkung: Anlässlich ihres 80. Geburtstags überließ Gabriele Münter dem Lenbachhaus 1957 eine umfangreiche Sammlung herausragender Werke von sich selbst, von Kandinsky – ihrem langjährigen Lebensgefährten – und weiteren Künstlerfreunden, die bis heute den Kern der weltweit größten Sammlung des „Blauen Reiter" mit Arbeiten von Kandinsky, Münter und Marc bildet und das Lenbachhaus zu einem Anziehungspunkt für Kunstinteressierte aus aller Welt macht.

Die Pinakotheken und das Kunstareal

Im Kunstareal München in der Maxvorstadt liegen rund 18 Museen und Ausstellungshäuser, etwa 40 Galerien und sechs Hochschulen in unmittelbarer Nachbarschaft. Den Kern bilden die drei Pinakotheken: Während die Alte und die Neue Pinakothek auf das 19. Jahrhundert zurückgehen, entstand die Pinakothek der Moderne erst 2002 nach den Plänen des Architekten Stephan Braunfels, der auf rund 9.500 Quadratmetern vier zuvor getrennte Sammlungen – Staatsgalerie Moderner Kunst, Neue Sammlung für Design, Architekturmuseum und Staatliche Graphische Sammlung – unter einer zentralen Rotunde vereinte und damit zu einem der größten Museen für Kunst des 20. und 21. Jahrhunderts weltweit machte. Wenige Schritte entfernt eröffnete 2009 das von dem Berliner Büro Sauerbruch Hutton entworfene Museum Brandhorst, dessen Fassade aus rund 36.000 keramischen Stäben in 23 Farben besteht und das mit damals mehr als 700 Werken einen Schwerpunkt auf Kunst der Nachkriegszeit und Gegenwart legt, etwa von Andy Warhol und Cy Twombly, und damit das Profil des Münchner Kunstareals als dichtestes Museumsensemble Deutschlands schärft.

Galerien

Rund um das Kunstareal hat sich eine dichte Münchner Galerienlandschaft etabliert. Die Galerie Rüdiger Schöttle in der Amalienstraße zeigt seit den 1980er-Jahren internationale Positionen der Konzept- und Medienkunst, während zahlreiche jüngere Kunsträume in unmittelbarer Nähe zur Akademie der Bildenden Künste experimentelle Positionen Münchner und internationaler Künstlerinnen und Künstler präsentieren und damit den Übergang von der akademischen Ausbildung in die professionelle Praxis sichtbar machen. So entsteht im Umfeld der Hochschulen und Museen ein Geflecht aus etablierten Häusern und jungen Initiativen, das die Stadt über ihre musealen Sammlungen hinaus zu einem Ort lebendiger zeitgenössischer Kunstproduktion macht.

München heute

Zwischen der jahrhundertealten Tradition der Akademie, dem Erbe des „Blauen Reiter" im Lenbachhaus und den Sammlungen der Pinakotheken hat sich München zu einer Stadt entwickelt, in der sich akademische Ausbildung, museale Tiefe und freie künstlerische Praxis auf engstem Raum begegnen. Auf BK.net präsentieren Künstlerinnen und Künstler aus München ihre Arbeiten in einer Bandbreite, die von der Malerei in der Tradition der klassischen Moderne über Grafik, Fotografie und Skulptur bis zu zeitgenössischen Mischformen reicht, und machen damit sichtbar, wie sich die lange Geschichte der Münchner Kunstmetropole in der Gegenwart auf vielfältige Weise fortschreibt.