Wo Bankenstadt und Kunstproduktion sich treffen
Frankfurt ist teurer als der Ruf der Kunststadt, die es ist – und bietet dafür direkte Wege dorthin, wo produziert wird: In den großen Atelierhäusern Atelierfrankfurt und basis öffnet sich der Bestand der Szene bei regelmäßigen Terminen unmittelbar dem Publikum. Atelierfrankfurt, 2004 aus einer privaten Initiative für bezahlbare Ateliers entstanden, stellt in einem früheren Lagerhaus rund 140 Ateliers für mehr als 220 Künstlerinnen und Künstler bereit und gilt als größtes zusammenhängendes Atelierhaus Deutschlands. Wer hier kauft, kauft nah an der Entstehung – in einem der bestausgestatteten Produktionskontexte Deutschlands, ohne Messepremium.
Galerien zwischen Innenstadt und Ostend
Frankfurts Galerienszene ist kompakter als die der großen Marktstädte, aber durch Messeplatz und internationale Käuferschaft gut aufgestellt – mit Programmen von der Fotografie bis zur jungen Malerei. Für Erstkäufer bieten die Galerien den kuratierten Einstieg mit Beratung und Vergleichsmöglichkeit; Editionen und Arbeiten auf Papier halten die Einstiegspreise zugänglich. Seriöse Künstlerinnen und Künstler halten konsistente Endpreise in Galerie und Atelier – der Direktkauf spart die Handelsstufe nur dort, wo keine Galerie beteiligt ist.
Zu den prägendsten Häusern zählt die Galerie Bärbel Grässlin, die 1985 eröffnete, als Frankfurt in der zeitgenössischen Kunstszene noch als wenig beachtet galt. Die erste Ausstellung war Martin Kippenberger gewidmet, dem die Galerie zeitlebens verbunden blieb; das Programm umfasst seither auch Werner Büttner, Günther Förg, Georg Herold, Hubert Kiecol, Meuser, Reinhard Mucha und Markus Oehlen – deutsche Positionen der 1980er- und 1990er-Jahre mit internationaler Reputation. Seit 2007 residiert die Galerie in einer ehemaligen Glasgroßhandlung in der Schäfergasse, die der Frankfurter Architekt Klaus Dreissigacker zur Ausstellungsfläche umbaute.
Frankfurter Kunstverein und Portikus
Eine zusätzliche Bühne für den Kontakt zu zeitgenössischer Kunst bietet der Frankfurter Kunstverein: 1829 gegründet, zählt er zu den ältesten und größten Kunstvereinen Deutschlands und zeigt im Haus am Markt regelmäßig Positionen junger, aufstrebender Künstlerinnen und Künstler – nicht verkaufsorientiert, aber als Ort, an dem sich Kontakte zu Galerien und Produzenten ergeben. Der Portikus, seit 1987 eine der profiliertesten Ausstellungshallen für zeitgenössische Kunst in Deutschland und seit 2006 auf einer kleinen Insel an der Alten Brücke beheimatet, ist eng mit der Städelschule verbunden: Ein Teil der dort gezeigten Positionen ist kurz darauf auch auf dem Galeriemarkt vertreten.
Der Rundgang als Frankfurter Sonderfall
Eine Kaufgelegenheit mit eigenem Profil ist der jährliche Rundgang der Städelschule: Die kleine, internationale Hochschule wird von Sammlern und Galerien weltweit beobachtet, und Arbeiten der Studierenden wechseln dort regelmäßig direkt den Besitzer. Die Hochschule geht auf eine Stiftung des Frankfurter Bankiers Johann Friedrich Städel zurück, der 1815 sein Vermögen, sein Haus und seine Kunstsammlung für ein Museum und die Ausbildung von Kunststudierenden hinterließ. Bereits 1817 unterrichtete der erste Lehrer, Johann Andreas Benjamin Reges, neunzehn Studierende – der Beginn einer bis heute am selben Ort fortgesetzten Ausbildungstradition. Wer hier kauft, kauft früh – mit allen Chancen und aller Ungewissheit des Nachwuchskaufs. Unabhängig vom Weg gehören vollständige Werkangaben, Signatur und Rechnung zu jedem seriösen Erwerb.
Frankfurt ist die Stadt, in der ein Bankier mit seinem privaten Vermögen ein Museum und eine Hochschule stiftete – diese enge Verbindung von Geld und Kunst gehört hier bis heute zum Stadtbild.