Ateliers besuchen nach Vereinbarung
Viele Frankfurter Künstlerinnen und Künstler empfangen Interessierte nach Terminabsprache in ihren Arbeitsräumen – in Ateliergemeinschaften im Ostend und Bahnhofsviertel ebenso wie in Einzelateliers anderer Stadtteile. Ein kurzes Anschreiben mit Terminvorschlag genügt; der verabredete Besuch ist oft der Beginn einer längeren Verbindung zwischen Käufer und Atelier. In Ostend und Bahnhofsviertel führt meist ein Blick auf Website oder Instagram-Profil der gesuchten Künstlerin oder des Künstlers zum Kontakt.
Atelierfrankfurt: das größte Künstlerhaus der Region
Aus einer privaten Initiative für bezahlbare Atelierräume gründete sich 2004 der Verein Atelierfrankfurt. Bis 2013 mietete er rund 3.500 Quadratmeter im früheren Verwaltungsgebäude der Andreae-Noris Zahn AG und stellte dort 45 Ateliers für Künstlerinnen, Künstler und Kreative bereit. Seit 2014 bespielt der Verein ein 1912 errichtetes, umgebautes ehemaliges Lagerhaus mit 11.000 Quadratmetern im Frankfurter Ostend – mit rund 140 Ateliers für etwa 220 Künstlerinnen und Künstler das größte Künstlerhaus im Rhein-Main-Gebiet; der Mietvertrag für die Räume in der Schwedlerstraße läuft bis Ende 2028. Atelierfrankfurt lädt regelmäßig zu offenen Ateliers und Ausstellungen ein, bei denen sich dutzende Arbeitsräume an einem Termin besuchen lassen; die Termine veröffentlicht der Verein laufend auf atelierfrankfurt.de.
basis: Produktions- und Ausstellungsplattform im Bahnhofsviertel
Der Verein basis entstand Anfang der 2000er Jahre aus der Künstler- und Kuratorengruppe „raumpool Rhein-Main" um die Gründer Felix Ruhöfer und Jakob Sturm, die ein leerstehendes Hinterhaus in der Elbestraße zu zunächst 35 Ateliers umbauten. Heute bietet basis an mehreren Standorten im Bahnhofsviertel – unter anderem in der Gutleutstraße und der Elbestraße – rund 120 vergünstigte Arbeitsräume für etwa 160 Künstlerinnen, Künstler und Kreative, vergeben für eine Förderzeit von sechs Jahren. Ausstellungsräume, ein Leseraum und ein eigenes Veranstaltungsprogramm ergänzen die Ateliers. Die Termine veröffentlicht der Verein laufend auf basis-frankfurt.de.
Der Rundgang der Städelschule
Daneben vergibt das städtische Kulturamt eigene, subventionierte Ateliers an hauptberuflich tätige Bildende Künstlerinnen und Künstler mit Lebens- und Arbeitsmittelpunkt in Frankfurt; die Mietdauer beträgt drei Jahre mit Option auf Verlängerung nach erneuter Bewerbung. Die Städelschule geht auf das Testament des Frankfurter Bankiers und Kunstmäzens Johann Friedrich Städel zurück, der 1815 verfügte, dass aus seinem Vermögen sowohl eine öffentliche Kunstsammlung als auch eine unentgeltlich unterrichtende Kunstschule entstehen sollten; die Schule wurde 1817 gegründet, der Unterricht begann nach einem jahrelangen Rechtsstreit mit Städels Verwandtschaft 1829. Einmal im Jahr öffnet die Städelschule ihre Klassen zum Rundgang – ein fester Termin im Frankfurter Kunstjahr, bei dem die internationale Studierendenschaft ihre Arbeiten in den Räumen der Hochschule zeigt. Wer bei Besuchen auch erwerben möchte – in den Atelierhäusern wie beim Rundgang üblich –, findet die Wege auf der Seite Kunst kaufen in Frankfurt beschrieben.
Zusammen bilden Atelierfrankfurt und basis das Frankfurter Gegenstück zum stadtweiten Ateliertag anderer Städte: zwei große, dauerhaft geöffnete Häuser mit jeweils eigener Geschichte und eigenem Programm, ergänzt durch den Hochschulrundgang der Städelschule und die direkte Vereinbarung mit einzelnen Künstlerinnen und Künstlern.
Wer die Frankfurter Atelierszene über das Jahr verteilt erleben will, kombiniert am besten einen Termin in Atelierfrankfurt mit einem Besuch bei basis und dem jährlichen Rundgang der Städelschule – drei Adressen mit unterschiedlicher Trägerschaft und Geschichte, aber demselben Ziel: bezahlbarer Arbeitsraum für Kunstschaffende in einer der teuersten Mietstädte Deutschlands.