Regenerativverfahren: öffentliches Arbeiten im Haus der Künste
Seit 2004 lädt der Frankfurter Kunstverein im jährlich ausgeschriebenen Regenerativverfahren Künstlerinnen und Künstler aus aller Welt nach Frankfurt (Oder) ein. Fünf bis sechs Kunstschaffende zeigen über drei bis vier Wochen neue künstlerische und thematische Ansätze, Techniken und Handschriften – und arbeiten dabei öffentlich sichtbar in der Galerie B. Diese liegt im Haus der Künste, dem ehemaligen Sankt-Spiritus-Hospital von 1787, in drei Räumen im Erdgeschoss direkt neben dem Hauptpostamt im Stadtzentrum. Am Ende der jeweiligen Werkphase werden die entstandenen Arbeiten in einem festlichen Abschluss mit musikalischer Begleitung, Laudatio und Künstlergespräch präsentiert. Ergänzt wird das Regenerativverfahren durch zwei bis drei Ausstellungen regionaler Künstlerinnen und Künstler unter dem Titel „Gesichter aus der Region". Diese Kombination aus öffentlich erlebbarer Werkstattarbeit und regionaler Förderung macht den Frankfurter Kunstverein zu einem der unmittelbarsten Zugänge zur Kunstproduktion der Stadt.
Universitäre Kunstprojekte der Viadrina
Die Europäische Universität Viadrina veranstaltet regelmäßig Kunstprojekte, Workshops und Ausstellungen, bei denen Studierende aus Deutschland und Polen ihre Arbeit zeigen. Diese grenzüberschreitenden Formate öffnen Einblicke in eine künstlerische Produktion, die den deutsch-polnischen Austausch als inhaltliches Thema aufgreift. Die heutige Europa-Universität Viadrina wurde am 15. Juli 1991 per Gesetz wiedergegründet und am 6. September 1991 feierlich eröffnet; im Herbstsemester 1992 nahmen die ersten 460 Studierenden ihr Studium auf. Frankfurt (Oder) blickt damit auf eine lange universitäre Tradition zurück: Von 1506 bis 1811 war die Stadt für mehr als 300 Jahre Sitz der ersten brandenburgischen Landesuniversität. Der Gründungsauftrag von 1991 gab der neuen Viadrina vier Aufgaben vor: Reformuniversität zu sein, Internationalität und Interdisziplinarität zu fördern, zur Entwicklung der Region auf beiden Seiten der Oder beizutragen und die deutsch-polnische Zusammenarbeit in Wissenschaft und Kultur sowie Impulse für die gesamteuropäische Integration zu stärken. Seit 2008 ist die Universität eine Stiftung des Landes Brandenburg.
BLMK und weitere Ausstellungsräume
Das Brandenburgische Landesmuseum für moderne Kunst (BLMK) entstand 2017 aus der Fusion des Museums Junge Kunst – dessen Vorgängereinrichtung, die Galerie Junge Kunst, bereits 1965 gegründet wurde – mit dem Kunstmuseum Dieselkraftwerk in Cottbus. Mit mehr als 45.000 Werken, von denen rund drei Viertel aus der DDR-Zeit stammen, verwaltet das BLMK an seinen Frankfurter Standorten Rathaushalle und Packhof die weltweit umfassendste museale Sammlung ostdeutscher Kunst; seit 1991 gehört zudem eine Sammlung polnischer Druckgrafik nach 1945 zum Bestand. Regelmäßige Ausstellungseröffnungen und Begleitveranstaltungen, bei denen Künstlerinnen und Künstler ihre Arbeit vorstellen, ergänzen den direkten Zugang über den Frankfurter Kunstverein um die institutionelle Perspektive auf ostdeutsche Gegenwartskunst.
Atelierbesuche auf Anfrage
Der Frankfurter Kunstverein selbst entstand während der Wendezeit als Zusammenschluss von Künstlerinnen und Künstlern aller Sparten, die das Haus der Künste vor Zweckentfremdung bewahren wollten, und diente in den schwierigen Jahren des Übergangs zur Marktwirtschaft als Forum der lokalen Szene. Frankfurt (Oder) hat bis heute eine kleine, aber aktive Szene freischaffender Künstlerinnen und Künstler. Diese Kontinuität über den gesellschaftlichen Umbruch hinweg prägt die Künstlerszene der Stadt bis heute.
Direkte Anfragen über den Kunstverein oder über die Website und Social-Media-Kanäle der jeweiligen Künstlerin oder des Künstlers führen häufig zu persönlichen Atelierbesuchen. Die besondere geografische und historische Lage der Stadt – Grenzort, Transformationsgeschichte, deutsch-polnisches Milieu – spiegelt sich in der Arbeit vieler lokaler Künstlerinnen und Künstler.