Jahresausstellung EXAMEN der Kunsthochschule Kassel
Die Kunsthochschule Kassel öffnet einmal jährlich Ateliers, Studios und Ausstellungsräume für die Öffentlichkeit. Die Jahresausstellung EXAMEN zeigt Abschlussarbeiten und Projekte aus allen Studiengängen – von Freier Kunst und Produktdesign über Visuelle Kommunikation bis zu Kunstpädagogik. Der Termin ist das zentrale öffentliche Ereignis der Kasseler Hochschulszene. Die Wurzeln der Hochschule reichen bis in das 18. Jahrhundert zurück: Am 18. Oktober 1777 eröffnete Landgraf Friedrich II. von Hessen-Kassel die »L'Académie de Peinture et de Sculpture de Cassel«. Das von 1769 bis 1779 nach Plänen des Architekten Simon Louis du Ry errichtete Fridericianum, Ausstellungsort der documenta und Nachbar der Kunsthochschule, gilt als eines der ersten Gebäude, die von Beginn an als öffentliches Museum konzipiert wurden; es beherbergte ursprünglich die landgräflichen Kunstsammlungen und die fürstliche Bibliothek. Während der Zeit des napoleonischen Königreichs Westphalen ließ Jérôme Bonaparte das Haus 1810 zum »Palast der Stände« umbauen, weshalb es zugleich als erstes deutsches Parlamentsgebäude gilt. Nach dem Zweiten Weltkrieg gründeten Arnold Bode und befreundete Künstler im November 1947 die Kunstakademie als Staatliche Werkakademie neu; 1960 wurde sie zur Hochschule für Bildende Künste. Aus dem Zusammenschluss dieser Hochschule unter Bodes Leitung mit der Werkkunstschule unter Jupp Ernst entstand in den 1970er-Jahren die heutige Kunsthochschule.
Eine eigenständige Tradition pflegt der Kasseler Kunstverein: Am 4. Januar 1835 gründeten der Kunstprofessor Friedrich Müller und befreundete Akademiker den Kunstverein für Kurhessen als Vorläuferinstitution; die erste Jahresausstellung eröffnete bereits am 1. September 1835 im »Mentelschen Haus«. 1868 initiierte der Verein gemeinsam mit zwei weiteren Kasseler Kunstvereinen den Bau eines eigenen Ausstellungshauses, das von 1869 bis 1871 nach den Plänen des Architekten A. Scholtz entstand. Seine heutige, rund 500 Quadratmeter große Ausstellungsfläche im Erdgeschoss des Fridericianums bespielt der Verein mit wechselnden Schauen zeitgenössischer Kunst.
Fridericianum und documenta-Orte: offene Formate
Das Museum Fridericianum bietet begleitend zu seinen Ausstellungen Führungen, Werkstattgespräche und gelegentlich offene Formate an. Zwischen den documenta-Ausgaben ermöglichen Rundgänge zu den documenta-Skulpturen im Stadtgebiet einen eigenständigen Kunstspaziergang, etwa zu Joseph Beuys' »7000 Eichen« auf dem Friedrichsplatz und im Karlsaue-Park; entsprechende Karten sind im documenta-Shop erhältlich. Die documenta selbst geht auf Arnold Bode zurück, der die erste Ausgabe am 15. Juli 1955 in Kassel eröffnete. Zur documenta 7 begann Beuys 1982 die Pflanzaktion »7000 Eichen«; die letzte Eiche setzte erst 1987, nach seinem Tod, sein Sohn.
Atelierbesuche und freie Szene
Kassel hat eine aktive freie Szene, die stark von der Kunsthochschule geprägt ist. In der Südstadt arbeiten Künstlerinnen und Künstler im Atelier- und Studiogeschoss LMS in der ehemaligen Jägerkaserne nahe dem Auestadion; im Stadtteil Bettenhausen organisiert sich die Kunstwerkstatt Marbachshöhe als gemeinnütziger Künstlerzusammenschluss in einer ehemaligen Panzerhalle der Hindenburgkaserne. Auch das frühere Hallenbad Ost, ein denkmalgeschütztes Bauwerk mit Bauhaus-Fassade und ehemaliger documenta-15-Spielort, gehört zu den Kulturadressen im Osten der Stadt. Wer ein bestimmtes Atelier besuchen möchte, wendet sich am besten direkt über Website oder Social-Media-Profil an die jeweilige Künstlerin oder den jeweiligen Künstler.
Kassel lohnt als Kunstziel besonders in Kombination: Fridericianum, ein Rundgang zu den documenta-Außenskulpturen und ein Besuch in den Ateliers der Südstadt und von Bettenhausen ergeben ein dichtes Programm. Wer Kassel besucht, sollte auch beim Kasseler Kunstverein im Erdgeschoss des Fridericianums vorbeischauen.