Bildende Künstler

Kunst im Fokus

Bildhauerei: Materialien und Techniken

Die Bildhauerei umfasst die Herstellung von Skulpturen und Plastiken in den unterschiedlichsten Materialien – von Stein und Holz über Bronze und Ton bis zu Gips und Wachs. Zwei grundlegende Arbeitsweisen, das Hauen und das Modellieren, prägen das Feld bis heute und zeigen, wie eng Material, Verfahren und künstlerische Idee miteinander verbunden sind.
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Zwei grundlegende Arbeitsweisen

Der Begriff Bildhauerei bezeichnete ursprünglich eine hauende Tätigkeit: Ein Bildhauer war ein Handwerker, der die Form aus einem Block Stein oder Holz heraushieb – ein subtraktives Verfahren, bei dem überschüssiges Material entfernt wird, bis die gewünschte Gestalt sichtbar wird. Bereits im 18. Jahrhundert erweiterte sich der Begriff um das Modellieren, also die additive Arbeit mit formbaren Massen wie Ton, Wachs oder Gips. Beide Arbeitsweisen prägen die Bildhauerei bis heute, ergänzt durch das Gießen, bei dem ein Modell in ein dauerhaftes Material wie Bronze übertragen wird. Diese Unterscheidung zwischen subtraktiven und additiven Verfahren ist so grundlegend, dass sie sich inzwischen sogar in der Sprache der computergestützten Fertigung wiederfindet, wenn von fräsenden und druckenden Verfahren die Rede ist.

Werkstoffe mit eigenem Charakter

Anders als in der Malerei tritt in der Bildhauerei das Material selbst als Bedeutungsträger hervor: Marmor steht seit der Antike für Beständigkeit und Kostbarkeit, Bronze für Härte und Detailtreue, Holz für Wärme und sichtbare Bearbeitungsspuren. Weißer Marmor fand erstmals um 3000 vor Christus auf den Kykladen Verwendung und bestimmte seither in unterschiedlichen Varietäten – etwa dem seit dem 13. Jahrhundert erneut geschätzten Carrara-Marmor – die Bildhauerkunst der Antike und der italienischen Renaissance. In Mitteleuropa griffen Bildhauer dagegen häufiger zu Sandstein oder Kalkstein, in Asien zu Jade. Im 20. Jahrhundert traten Stahl und andere Industriewerkstoffe hinzu: Richard Serra etwa arbeitet seit den 1960er-Jahren mit rostendem Cor-Ten-Stahl, dessen raue, sich stetig wandelnde Oberfläche zu einem festen Bestandteil seiner monumentalen Plastiken wurde. Hinzu kommen seither Kunststoffe und Verbundmaterialien, wie sie etwa Niki de Saint Phalle für ihre farbenfrohen „Nanas“ verwendete.

Vom Entwurf zum fertigen Werk

Der Entstehungsprozess einer Skulptur durchläuft häufig mehrere Materialstufen: Seit der Renaissance dient ein kleiner Entwurf aus Ton, Wachs oder Weichholz – ein sogenannter Bozzetto – als erste plastische Skizze, von der sich anschließend eine Gipsform abnehmen lässt. Diese Zwischenform erlaubt es, ein Werk später in Bronze zu gießen oder in Stein zu übertragen, ohne das ursprüngliche Modell zu gefährden. Heute lässt sich dieser Zwischenschritt zunehmend digital abbilden: Ein 3D-Scan des Bozzetto liefert eine exakte Vorlage, an der sich Größe und Proportionen am Bildschirm verändern lassen, bevor das Werk in Stein, Bronze oder einem anderen Material ausgeführt wird.

Von der Antike bis zur Gegenwart

Von den griechischen Bildhauern Phidias und Praxiteles über die Renaissancekünstler Donatello und Michelangelo bis zu Auguste Rodin, der als Wegbereiter der modernen Bildhauerei gilt, und Bildhauern des 20. Jahrhunderts wie Constantin Brâncuși, Alberto Giacometti oder Anish Kapoor erstreckt sich die Geschichte der Bildhauerei über Jahrtausende. Auch Bildhauerinnen wie Barbara Hepworth, die mit organisch durchbrochenen Steinformen neue Maßstäbe setzte, oder Louise Bourgeois, deren monumentale Spinnenskulpturen „Maman“ heute auf mehreren Kontinenten zu sehen sind, prägten die Bildhauerei des 20. Jahrhunderts entscheidend mit. Dabei erweiterten sich die verwendeten Materialien und Verfahren stetig – von Terrakotta und Porzellan bis zu Stahl, Kunststoff oder digital gesteuerten Fräsmaschinen.

Bildhauerei heute: zwischen Werkstatt und digitalem Werkzeug

In den vergangenen Jahren hat sich das Werkzeugrepertoire der Bildhauerei noch einmal erweitert. Mit dem 3D-Scan lässt sich die Oberfläche eines Objekts digital erfassen, mit dem 3D-Druck – etwa im pulverbettbasierten Verfahren oder im Metalldruck – können daraus Modelle direkt in Kunststoff, Keramik, Sandstein oder sogar Bronze und Edelstahl entstehen. Diese Entwicklung verändert auch die Ausbildung: An immer mehr Kunsthochschulen gehören CAD-Programme und 3D-Drucker inzwischen zur Grundausstattung bildhauerischer Werkstätten. Für Bildhauerinnen und Bildhauer eröffnet das neue Möglichkeiten: Formen lassen sich entwerfen, ohne von vornherein an die Grenzen der klassischen Bearbeitung gebunden zu sein, und auch großformatige Arbeiten werden leichter realisierbar. Zugleich bleibt für viele Künstlerinnen und Künstler das traditionelle Handwerk – das Hauen am Stein, das Modellieren in Ton, das Gießen in Bronze – die zentrale Ausdrucksform, weil der unmittelbare Umgang mit dem Material selbst Teil der künstlerischen Aussage ist. Auf BK.net zeigt sich genau diese Bandbreite: Bildhauerinnen und Bildhauer präsentieren hier Arbeiten von der klassisch gehauenen Steinskulptur bis zur Plastik, die mit neuen, digital unterstützten Verfahren entstanden ist.

Häufige Fragen

Was unterscheidet additive und subtraktive Verfahren in der Bildhauerei?

Bei subtraktiven Verfahren wie dem Hauen oder Schnitzen wird Material aus einem Block entfernt, bis die gewünschte Form entsteht. Additive Verfahren wie das Modellieren mit Ton, Wachs oder Gips bauen die Form dagegen schrittweise auf – häufig als Vorstufe für einen späteren Guss in Bronze.

Welche Materialien spielen in der Bildhauerei eine zentrale Rolle?

Zu den klassischen Werkstoffen zählen Marmor und andere Steinsorten, Holz, Bronze, Ton, Wachs und Gips. Weißer Marmor – etwa aus Carrara – prägte seit der Antike die europäische Bildhauerkunst, während Bronze seit jeher das bevorzugte Gussmaterial für Skulpturen ist.

Welche Rolle spielt der Bozzetto im Entstehungsprozess?

Der Bozzetto ist ein kleiner Entwurf aus Ton, Wachs oder Weichholz, der seit der Renaissance als erste plastische Skizze dient. Von ihm lässt sich eine Gipsform abnehmen, die als Zwischenstufe für den späteren Guss in Bronze oder die Übertragung in Stein verwendet wird.

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