Künstler in Hamburg
Mit der Hamburger Kunsthalle und ihrer weltbekannten Sammlung der deutschen Romantik verbindet Hamburg musealen Rang mit einer lebendigen freien Szene aus Ateliergemeinschaften und Off-Spaces. Zwischen Caspar David Friedrichs „Wanderer über dem Nebelmeer", der HFBK Hamburg, den Deichtorhallen und dem Karolinenviertel hat sich eine Hamburger Kunstlandschaft entwickelt, die Tradition und Gegenwart eng verzahnt.Arbeiten von Künstlern in Hamburg
Mehr Arbeiten entdeckenDie Hamburger Kunsthalle
Die Hamburger Kunsthalle geht auf eine Initiative Hamburger Bürger zurück, die mit ihren Spenden den Bau des 1869 eröffneten Hauptgebäudes am Glockengießerwall ermöglichten – ein roter Backsteinbau nach Plänen der Architekten Hermann von der Hude und Georg Theodor Schirrmacher, errichtet zwischen 1863 und 1869. 1921 erweiterte ein Kuppelsaal das Haus, sodass die Kunsthalle heute aus drei miteinander verbundenen Gebäuden besteht und mit einer Sammlung von acht Jahrhunderten europäischer Kunstgeschichte – von altdeutschen Tafelbildern über die Romantik bis zur Gegenwart – zu den bedeutendsten Museen Deutschlands zählt. Diese Verbindung aus bürgerschaftlichem Engagement und musealer Tiefe prägt den Ruf des Hamburger Hauses bis in die Gegenwart und macht es zu einem Bezugspunkt für die gesamte norddeutsche Kunstszene.
Caspar David Friedrich und „Der Wanderer über dem Nebelmeer"
Ihren besonderen Rang verdankt die Sammlung der Hamburger Kunsthalle vor allem ihren Werken der deutschen Romantik – allen voran Caspar David Friedrichs um 1818 entstandenem Gemälde „Der Wanderer über dem Nebelmeer", einem der bekanntesten Bilder der Epoche überhaupt. Nach einer wechselvollen Geschichte in verschiedenen Privatsammlungen erwarb die Kunsthalle das Werk erst 1970 für 600.000 Mark; ohne die Beteiligung des Hamburger Industriellen Kurt A. Körber an der Finanzierung wäre der Ankauf, den der damalige Direktor Werner Hofmann durchsetzen wollte, vermutlich gescheitert. Heute gilt das Bild des Wanderers, der mit dem Rücken zum Betrachter auf ein endloses Nebelmeer blickt, als eines der meistreproduzierten Sinnbilder der Romantik überhaupt und als zentrales Werk der Hamburger Sammlung, das Besucherinnen und Besucher aus aller Welt anzieht.
Die Galerie der Gegenwart
Um die historische Sammlung gezielt mit der Gegenwart zu verbinden, eröffnete die Kunsthalle 1997 die Galerie der Gegenwart als dritten Gebäudeteil – einen vom Architekten Oswald Mathias Ungers entworfenen, mit hellem portugiesischem Sandstein und schwedischem Granit verkleideten Kubus, der mit rund 5.600 Quadratmetern Grundfläche zu den größten Ausstellungshäusern für zeitgenössische Kunst in Deutschland zählt. Mit diesem Erweiterungsbau setzt die Hamburger Kunsthalle bewusst einen Kontrapunkt zur Sammlung der Romantik und schafft auf mehreren Ebenen Raum für wechselnde Ausstellungen und die ständige Sammlung internationaler Gegenwartskunst seit den 1960er-Jahren.
HFBK Hamburg
Die akademische Ausbildung in Hamburg reicht bis in das Jahr 1767 zurück, als die „Patriotische Gesellschaft von 1765" eine Zeichenschule gründete, um das gestalterische Niveau im Handwerk zu heben und eine anspruchsvolle ästhetische Bildung zu ermöglichen. Ab 1830 erweiterte und differenzierte sich das ursprünglich auf Architektur- und Freihandzeichnen beschränkte Lehrangebot deutlich, 1865 übernahm die Stadt Hamburg die bis dahin von den Zünften finanzierte Trägerschaft, und 1896 entstand daraus die Staatliche Kunstgewerbeschule mit eigenem Aktzeichenunterricht. Über die spätere Landeskunstschule wurde daraus 1955 schließlich die Hochschule für bildende Künste Hamburg (HFBK), die heute mit international ausgerichteten Studienschwerpunkten wie Malerei und Zeichnen, Bildhauerei, Film, zeitbasierten Medien, Design und Bühnenraum mehr als 900 Studierende ausbildet und einer der wichtigsten Impulsgeber der Hamburger Kunstszene ist.
Deichtorhallen und Karolinenviertel
Zwischen 1911 und 1914 entstanden auf dem Gelände des ehemaligen Berliner Bahnhofs zwei Markthallen in offener Stahlkonstruktion – ein bedeutendes Beispiel früher moderner Industriearchitektur, das jahrzehntelang dem Großhandel mit Obst und Gemüse diente, ehe den Hallen der Abriss drohte. Die Körber-Stiftung finanzierte ihre Restaurierung, sodass am 9. November 1989 mit der von Harald Szeemann kuratierten Schau „Einleuchten" eines der größten Ausstellungszentren Europas eröffnet werden konnte – die Deichtorhallen Hamburg, die seither internationale Positionen der zeitgenössischen Kunst und Fotografie zeigen. Wenige Kilometer entfernt hat sich im Karolinenviertel zwischen ehemaligen Industriehallen, Ateliergemeinschaften und Off-Spaces eine vielfältige unabhängige Szene entwickelt: Initiativen wie die Galerie Genscher im Hinterhof der Marktstraße oder das Vorwerkstift mit seiner Galerie21 verbinden hier Kunst, Wohnen und Gemeinschaft unter einem Dach, während die Xpon-Art Gallery in einem ehemaligen Schlachthofgebäude zeigt, wie sich Hamburgs Industriearchitektur künstlerisch neu nutzen lässt.
Hamburg heute
Zwischen der musealen Tiefe der Kunsthalle, der akademischen Tradition der HFBK und einer freien Szene, die sich in den Deichtorhallen und im Karolinenviertel immer wieder neu erfindet, hat sich Hamburg zu einer Stadt entwickelt, in der sich das Erbe der Romantik und die Gegenwartskunst auf engem Raum begegnen. Auf BK.net präsentieren Künstlerinnen und Künstler aus Hamburg ihre Arbeiten in einer Bandbreite, die von der Malerei über Fotografie, Skulptur und zeitbasierte Medien bis zu zeitgenössischen Mischformen reicht, und machen damit sichtbar, wie sich die lange Tradition der Hansestadt als Kunstort in der Gegenwart auf vielfältige Weise fortschreibt.
Häufige Fragen
Warum ist „Der Wanderer über dem Nebelmeer“ für die Hamburger Kunsthalle so bedeutend?
Caspar David Friedrichs um 1818 entstandenes Gemälde gilt als eines der bekanntesten Bilder der Romantik. Die Kunsthalle erwarb es erst 1970 für 600.000 Mark – mithilfe des Industriellen Kurt A. Körber und auf Initiative von Direktor Werner Hofmann.
Was zeigt die Galerie der Gegenwart der Hamburger Kunsthalle?
Die 1997 nach Plänen Oswald Mathias Ungers errichtete Galerie der Gegenwart ist mit rund 5.600 Quadratmetern eines der größten Ausstellungshäuser für zeitgenössische Kunst in Deutschland und bildet den dritten Gebäudeteil der Kunsthalle.
Seit wann gibt es die Deichtorhallen Hamburg?
Die zwischen 1911 und 1914 erbauten Markthallen wurden nach ihrer Restaurierung durch die Körber-Stiftung am 9. November 1989 mit der von Harald Szeemann kuratierten Ausstellung „Einleuchten“ als Ausstellungszentrum für zeitgenössische Kunst eröffnet.
