Bildende Künstler

Kunst im Fokus

Künstler in Leipzig

Leipzig verbindet eine der ältesten Kunsthochschulen Deutschlands mit einer Künstlerszene, die durch die „Neue Leipziger Schule" international bekannt wurde, und mit der Spinnerei, einem der bedeutendsten Zentren für zeitgenössische Kunst in Europa. Tradition und Gegenwart treffen hier auf engem Raum aufeinander.

Arbeiten von Künstlern in Leipzig

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Hochschule für Grafik und Buchkunst (HGB)

Die Wurzeln der Leipziger Kunstausbildung reichen bis ins Jahr 1764 zurück, als der Maler und Bildhauer Adam Friedrich Oeser die „Zeichnungs-, Mahlerey- und Architecturakademie" gründete und zunächst in den Räumen seiner eigenen Wohnung mit gut zwanzig Schülern den Unterricht aufnahm. Aus dieser Gründung ging die heutige Hochschule für Grafik und Buchkunst (HGB) hervor, die damit zu den ältesten Kunsthochschulen Deutschlands zählt. Im 19. Jahrhundert prägte Hans Veit Schnorr von Carolsfeld als Direktor von 1814 bis 1841 die Akademie mit einem geregelten Schulbetrieb, im 20. Jahrhundert erweiterte Walter Tiemann von 1920 bis 1941 das Lehrangebot um Buchgestaltung und Schriftgeschichte. Ihren bis heute gültigen Namen erhielt die Hochschule schließlich 1950. Über die Jahrhunderte hinweg wandelte sich die Institution mehrfach – im Namen ebenso wie im Schwerpunkt – und entwickelte sich zu einem Ort, der Malerei, Grafik, Fotografie und Buchgestaltung gleichermaßen vereint und bis heute für seine enge Verbindung von handwerklicher Tradition und künstlerischer Eigenständigkeit bekannt ist.

Die Neue Leipziger Schule

Internationale Aufmerksamkeit erlangte die HGB vor allem durch die sogenannte „Neue Leipziger Schule", eine in den 1990er-Jahren entstandene Richtung figurativ-erzählerischer Malerei, die Tradition und Gegenwart auf eigentümliche Weise verbindet. Zu ihren bekanntesten Vertretern zählen Neo Rauch, Tilo Baumgärtel, Matthias Weischer, Tim Eitel, David Schnell und Christoph Ruckhäberle, die alle an der HGB studierten. Der Begriff knüpft bewusst an die ältere „Leipziger Schule" der 1970er-Jahre an, die mit Künstlern wie Werner Tübke, Wolfgang Mattheuer und Bernhard Heisig auch international – etwa auf der documenta 6 im Jahr 1977 – Beachtung fand. Eine entscheidende Rolle für den Erfolg der jüngeren Generation spielte der Leipziger Galerist Judy Lybke, der mit seiner Galerie EIGEN + ART die Werke Neo Rauchs bereits in den 1990er-Jahren auf dem amerikanischen Kunstmarkt bekannt machte und damit den Ruf der Stadt als Adresse für figurative Malerei entscheidend mitprägte.

Spinnerei

Auf einem rund zehn Hektar großen Gelände im Leipziger Westen entstand zwischen 1884 und 1907 die Leipziger Baumwollspinnerei – seinerzeit die größte Anlage ihrer Art in Kontinentaleuropa, in der zeitweise bis zu 4.000 Menschen im Schichtbetrieb arbeiteten und ein eigenes Fabrikviertel mit Wohnungen, Gartensiedlung und Kindergarten entstand. Nach dem Ende der Garnproduktion im Jahr 1992 begann ein langsamer Wandel: Künstlerinnen und Künstler bezogen als Erste die leerstehenden Hallen, und heute haben sich auf dem Gelände mehr als hundert Ateliers sowie rund ein Dutzend Galerien angesiedelt. Den Auftakt für die heutige Bedeutung als Galerienstandort markierte das Jahr 2005, als gleich sechs Leipziger Galerien – allen voran erneut EIGEN + ART – neue Ausstellungsflächen in der ehemaligen Dampfmaschinenhalle eröffneten. Neben Ateliers und Galerien beherbergt die Spinnerei heute auch Werkstätten, ein Kino, mehrere Theaterbühnen, ein Tanzzentrum und die gemeinnützige Halle 14, die sich der zeitgenössischen Kunst und kulturellen Bildung widmet und damit das industrielle Erbe des Ortes mit lebendiger Kunstproduktion verbindet.

Museen und Ausstellungshäuser

Das Museum der bildenden Künste Leipzig geht auf die Gründung des Leipziger Kunstvereins im Jahr 1837 zurück und zählt mit über 4.600 Gemälden, rund 1.800 Skulpturen und mehr als 70.000 Arbeiten auf Papier zu den umfangreichsten Sammlungen Deutschlands. Den Grundstock bildeten Schenkungen bedeutender Leipziger Sammler wie Maximilian Speck von Sternburg, Alfred Thieme und Adolf Heinrich Schletter. Einen besonderen Schwerpunkt bildet das druckgrafische Werk Max Beckmanns, von dem allein 360 Zeichnungen aus dem Nachlass seiner Frau Mathilde Q. Beckmann als Dauerleihgabe in der Sammlung verwahrt werden. Seit 2004 ist das Museum in einem Neubau an der Katharinenstraße untergebracht, nachdem es zuvor jahrzehntelang ohne eigenes Haus auskommen musste. Ergänzt wird das Angebot durch die Galerie für Zeitgenössische Kunst Leipzig (GfZK), die mit wechselnden Ausstellungen internationaler Gegenwartskunst einen Gegenpol zur klassischen Sammlung bildet und damit das museale Profil der Stadt um die unmittelbare Gegenwart erweitert.

Leipzig heute

Zwischen traditionsreicher Kunstakademie, lebendiger Atelierlandschaft und musealer Sammlungstiefe hat sich Leipzig zu einem festen Bestandteil der deutschen und europäischen Kunstlandschaft entwickelt – eine Stadt, in der sich akademische Ausbildung, freie Szene und institutionelle Förderung in ungewöhnlicher Dichte begegnen und in der junge Künstlerinnen und Künstler nach wie vor vergleichsweise günstige Atelierräume finden. Auf BK.net präsentieren Künstlerinnen und Künstler aus Leipzig ihre Arbeiten in einer Bandbreite, die von der figurativen Malerei in der Tradition der Neuen Leipziger Schule bis zu Fotografie, Grafik, Skulptur und zeitgenössischen Mischformen reicht, und machen damit sichtbar, wie sich die Tradition der Stadt in der Gegenwart auf vielfältige Weise fortschreibt.

Häufige Fragen

Was ist die „Neue Leipziger Schule“?

Eine in den 1990er-Jahren an der Hochschule für Grafik und Buchkunst (HGB) entstandene Richtung figurativ-erzählerischer Malerei. Zu ihren bekanntesten Vertretern zählen Neo Rauch, Tilo Baumgärtel und Matthias Weischer, die alle an der HGB studierten.

Was macht die Spinnerei zu einem besonderen Ort für Kunst?

Auf dem Gelände der einstigen Baumwollspinnerei, die bis 1992 in Betrieb war, haben sich über hundert Ateliers und rund ein Dutzend Galerien angesiedelt. Seit der Eröffnung mehrerer Galerien im Jahr 2005 zählt sie zu den wichtigsten Zentren für zeitgenössische Kunst in Europa.

Welche Sammlungsschwerpunkte hat das Museum der bildenden Künste Leipzig?

Das 1837 aus dem Leipziger Kunstverein hervorgegangene Museum verwahrt mit über 4.600 Gemälden und mehr als 70.000 Arbeiten auf Papier eine der umfangreichsten Sammlungen Deutschlands, mit einem besonderen Schwerpunkt auf dem grafischen Werk Max Beckmanns.

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