Figurative Malerei: Die Figur kehrt zurück
Die Figur ist zurück – und sie war nie wirklich weg. Nach Jahrzehnten, in denen Abstraktion und Konzeptkunst die kritische Aufmerksamkeit dominierten, steht die figurative Malerei seit den 2010er-Jahren wieder im Zentrum des Kunstmarkts und der Kunstkritik. Was sich verändert hat, ist die Komplexität: Die Figur trägt heute Fragen nach Identität, Politik und Körper, die sie früher selten trug.Warum die Figur nie verschwand
Selbst auf dem Höhepunkt der abstrakten Kunst malten Künstler figurativ. Francis Bacon (1909–1992) deformierte die menschliche Figur bis zur Unkenntlichkeit, aber sie blieb Ausgangspunkt. Lucian Freud (1922–2011) malte Körper mit einem Realismus, der nichts beschönigt – Falten, Schwerkraft, Fleisch. Alice Neel (1900–1984) porträtierte New Yorker Intellektuelle und Aktivisten mit psychologischer Direktheit, die zu Lebzeiten unterschätzt und posthum als Schlüsselwerk anerkannt wurde. Diese Traditionen warteten auf ihre Neubewertung.
Cecily Brown, Jenny Saville, Marlene Dumas
Cecily Brown (*1969, London) verbindet gestische Abstraktion mit figurativer Andeutung – Körper lösen sich auf, Szenen werden unlesbar, und gerade das macht sie produktiv. Jenny Saville (*1970) malt Körper in monumentalen Maßstäben: Operationsnarben, Schmerz – ihre Bilder sind keine Anklage, sondern eine Vergrößerung. Marlene Dumas (*1953, Kapstadt/Amsterdam) arbeitet mit Fotografien als Vorlage: Porträts aus Medien, Geschichte, dem eigenen Umfeld – mit Tinte und Gouache auf Papier, zwischen Verletzlichkeit und Erschrecken. Alle drei werden von führenden Galerien vertreten und zählen zu den marktstärksten Malerinnen der Gegenwart.
Lynette Yiadom-Boakye und die Macht der Erfindung
Lynette Yiadom-Boakye (*1977, London) malt Figuren, die nicht existieren: keine Modelle, keine Fotos, keine vorher festgelegten Biografien. Ihre schwarzen Protagonisten in ruhigen Alltagssituationen sind reine Erfindungen – und gerade deshalb präzise. Yiadom-Boakye wurde 2012 für den Turner Prize nominiert und ist in Tate Britain, MoMA und anderen großen Institutionen vertreten. Ihre Arbeit hat die Debatte um Repräsentation in der Malerei neu formuliert: Es geht nicht um Dokumentation, sondern um Imagination.
Der Markt der Figuration
Figurative Malerei mit zeitgenössischem Anspruch ist seit Mitte der 2010er-Jahre das stärkste Marktsegment der Gegenwartskunst. Für Positionen wie Nicole Eisenman (*1965), Lisa Yuskavage (*1962) und Jonas Wood (*1977) verzeichnen Auktionshäuser kontinuierlich steigende Preise. Der Boom hat eine Kehrseite: Viele junge Figurationsmaler werden überhitzt gehandelt, bevor ihr Werk sich kunsthistorisch bewähren konnte.
Figurative Malerei in Deutschland
Die Neue Leipziger Schule ist das bekannteste Kapitel deutschsprachiger Gegenwartsmalerei: Neo Rauch (*1960), Tilo Baumgärtel (*1972) und ihre Zeitgenossen verbinden Genremalerei, sozialistischen Realismus und surrealen Bildraum zu einer unverwechselbaren Bildsprache. Neo Rauch ist international der bekannteste Vertreter – seine Werke werden bei den großen Auktionshäusern gehandelt und hängen in bedeutenden Sammlungen weltweit. Der Ausgangspunkt ist die Druckgrafik-Tradition der Hochschule für Grafik und Buchkunst in Leipzig; der Inhalt ist Erinnerung, Identität und das Erbe einer Biografie, die zwischen DDR und wiedervereinigtem Deutschland liegt.
Norbert Bisky (*1970) malt großformatige Bilder, in denen Körper, Männlichkeit und politische Energie auf eigentümlich ambivalente Weise kollidieren. Cornelia Schleime (*1953) entwickelte ihr Werk unter den Bedingungen der DDR-Avantgarde und nach der Wende zu einem psychologisch vielschichtigen figurativen Œuvre. Beide zeigen: Deutsche Figurationsmalerei ist selten nur Malerei – sie ist immer auch Zeitgeschichte.
Was die Figur leistet, was Abstraktion nicht kann
Die Figur trägt Identität, Geschichte und Politiken, die das abstrakte Bild nicht direkt adressieren kann. Fragen nach Rasse, Geschlecht, Körper und Macht lassen sich figürlich stellen – das erklärt einen Teil des gegenwärtigen Interesses. Die Figur ist heute informierter, selbstkritischer und politisch wacher als je zuvor.
Schon gewusst?
Was ist der Unterschied zwischen figurativer Malerei und Realismus?
Figurative Malerei zeigt erkennbare menschliche oder andere Figuren, muss aber nicht realistisch sein: Cecily Brown malt Figuren, die sich in Abstraktion auflösen; Francis Bacon deformierte sie radikal. Realismus ist eine Stilrichtung innerhalb der Figuration, die auf genaue Wiedergabe der Wirklichkeit zielt. Figurative Malerei ist der breitere Begriff.
Welche figurativen Malerinnen gelten heute als besonders einflussreich?
International: Cecily Brown, Jenny Saville, Marlene Dumas, Lynette Yiadom-Boakye, Nicole Eisenman, Paula Rego (1935–2022). Aus dem deutschsprachigen Raum: Neo Rauch (*1960), Maria Lassnig (1919–2014) – posthum stark gestiegen –, Johanna Kandl (*1958). Diese Positionen werden von führenden Museen und Galerien weltweit gezeigt.
Warum boomt figurative Malerei gerade auf dem Kunstmarkt?
Figuration ist zugänglicher als Abstraktion und erzählt von Erfahrungen, die direkt an gesellschaftliche Debatten anschließen (Identität, Repräsentation, Körper). Zugleich hat der Markt die Abstraktion der 2000er-Jahre gesättigt. Neue Sammlerschichten schätzen die Klarheit des Figürlichen. Das treibt Preise – mit dem Risiko einer Überhitzung.
Quellen & Hinweis
https://de.wikipedia.org/wiki/Figurative_Kunsthttps://de.wikipedia.org/wiki/Cecily_Brownhttps://de.wikipedia.org/wiki/Jenny_Savillehttps://de.wikipedia.org/wiki/Marlene_Dumashttps://de.wikipedia.org/wiki/Lynette_Yiadom-Boakyehttps://de.wikipedia.org/wiki/Alice_NeelDieser Artikel wurde mit Unterstützung von KI erstellt und redaktionell geprüft.