Bildende Künstler

Offene Ateliers in Bremen und Worpswede

Bremens Atelierszene hat im Künstlerhaus Bremen ein institutionelles Zentrum; in Worpswede, 30 Kilometer entfernt, halten die traditionsreichen Künstlerhäuser eine über hundertjährige Stipendiatengeschichte lebendig.

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Kulturzentrum Schlachthof und Künstlerhaus Bremen

Das Kulturzentrum Schlachthof entstand 1980 aus der Besetzung des Geländes des 1892 errichteten, 1981 teilweise abgerissenen städtischen Schlachthofs; der 1979 gegründete Kulturverein Schlachthof wollte die verbliebenen Bauteile – Turmanlage mit Schornstein, Kesselhaus und Magazingebäude – vor dem Abriss bewahren und für die freie Kulturszene öffnen. Heute ist es mit rund 300 Veranstaltungen und etwa 100.000 Besuchen im Jahr das größte soziokulturelle Zentrum Bremens; Werkstätten für Theater, Musik, Film und Hörspiel bieten dort auch bildkünstlerisch Interessierten experimentelle Arbeitsfelder.

Künstlerhaus Bremen: 17 Ateliers unter einem Dach

Das KH Künstlerinnenhaus Bremen ist seit 1992 ein lebendiger Ort für Produktion, Präsentation und Förderung von Kunst und Kultur. Der gemeinnützige Verein umfasst siebzehn Ateliers für bildende Künstlerinnen und Künstler, eine Galerie, zwei Gastateliers sowie eine Druck- und Holzwerkstatt. Unter demselben Dach haben auch die Künstlerverbände BBK Bremen und GEDOK Bremen ihren Sitz, sodass das Haus zugleich berufspolitische Anlaufstelle der freien Szene ist. Die Ateliers werden öffentlich ausgeschrieben und von einer Fachjury für jeweils fünf Jahre vergeben – gerade für Kunstschaffende in den Jahren nach dem Studienabschluss eine wichtige Starthilfe. Die öffentlich zugängliche Galerie zeigt vier bis fünf international ausgerichtete Ausstellungen im Jahr, begleitet von Künstlergesprächen, Vorträgen, Performances, Konzerten und Filmvorführungen.

Künstlerhäuser Worpswede: Stipendiatentradition seit 1971

Die Künstlerhäuser Worpswede e.V. wurden 1971 unter Leitung des Grafikers Martin Kausche gegründet und galten bis Ende 2009 als eine der größten Stipendiatenstätten Deutschlands und Europas: Seit der Gründung waren mehr als 400 Künstlerinnen und Künstler aus über 35 Ländern als Artists in Residence zu Gast. 1996 kamen die Ateliers der Barkenhoff-Stiftung hinzu, wodurch die Worpsweder Künstlerhäuser für über ein Jahrzehnt zur größten Stipendiateneinrichtung ihrer Art wurden. Heute stehen den Stipendiatinnen und Stipendiaten fünf Wohnungen zur Verfügung, vergeben ausschließlich durch das Land Niedersachsen; die künstlerische Leitung haben seit Mai 2020 Philine und Bhima Griem. Insgesamt leben und arbeiten heute rund 150 Künstlerinnen, Künstler und Kunsthandwerkende in Worpswede – das macht den Ort zu einer der wenigen historischen Künstlerkolonien Deutschlands, die bis heute ein lebendiger Produktionsort geblieben sind statt zum reinen Museumsdorf zu werden.

Der Barkenhoff und die historischen Ateliers

Der Barkenhoff war Wohn- und Atelierhaus des Jugendstilkünstlers Heinrich Vogeler: Zwischen 1898 und 1908 baute er einen Bauernhof zu einem klassizistisch geprägten Künstlerdomizil um, das um 1900 zum künstlerischen Zentrum Worpswedes wurde. Heute beherbergt das restaurierte Ensemble das Heinrich-Vogeler-Museum mit einer umfangreichen Werkschau. Auch das Paula Modersohn-Becker Museum an der Bremer Böttcherstraße gehört in diesen Kontext: Der Kaufmann und Kunstförderer Ludwig Roselius ließ es 1927 nach Plänen des Bildhauers und Architekten Bernhard Hoetger errichten – als weltweit erstes Museum, das ausschließlich einer Künstlerin gewidmet ist. Das Haus im Schluh und weitere historische Atelierstandorte geben zusätzlich Einblick in die räumliche Tradition der Kolonie; zeitgenössische Künstlerateliers in Worpswede sind über die Touristinformation zu erfragen.

Museen als Ergänzung zum Atelierbesuch

Kunsthalle Bremen, Weserburg und das Paula Modersohn-Becker Museum an der Böttcherstraße bieten regelmäßige Künstlergespräche und kuratorengeführte Führungen – eine gute Ergänzung, aber kein Ersatz für den direkten Atelierbesuch. Wer Bremen und Worpswede mit der Kunstszene erleben möchte, plant am besten zwei Tage ein: einen für Künstlerhaus Bremen und die Museen in der Stadt, einen für Worpswede.

Schon gewusst?

Wie kommt man im Künstlerhaus Bremen an ein Atelier?

Die siebzehn Ateliers im KH Künstlerinnenhaus Bremen werden öffentlich ausgeschrieben und von einer Fachjury für jeweils fünf Jahre vergeben. Ausschreibungen veröffentlicht der Verein auf kh-bremen.de.

Kann man in Worpswede Künstlerateliers besuchen?

Ja, in Worpswede leben und arbeiten rund 150 Künstlerinnen, Künstler und Kunsthandwerkende, von denen einige auf Anfrage ihre Ateliers öffnen. Die Touristinformation Worpswede gibt Auskunft über Besuchsmöglichkeiten und Führungen zu historischen Atelierstandorten wie dem Barkenhoff oder dem Haus im Schluh.

Was sind die besten Kunstorte in Bremen für einen Tagesbesuch?

Ein Tagesbesuch in Bremen umfasst idealerweise die Kunsthalle Bremen, das Paula Modersohn-Becker Museum an der Böttcherstraße, die Weserburg und das Künstlerhaus Bremen mit seiner öffentlich zugänglichen Galerie. Ein Ausflug nach Worpswede ist für einen zweiten Tag empfehlenswert.

Quellen & Hinweishttps://www.kunsthalle-bremen.dehttps://www.worpswede.dehttps://www.bremen.de

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