Kunstfestival Begehungen und sein Residenzprogramm
Das Kunstfestival Begehungen wurde 2003 in Chemnitz gegründet, bespielt seither jedes Jahr einen anderen leerstehenden Ort der Stadt und zählt zu den renommiertesten Kunstereignissen Sachsens. 2025 war Chemnitz gemeinsam mit 38 Kommunen aus Mittelsachsen, dem Erzgebirge und der Region Zwickau Kulturhauptstadt Europas; die Begehungen-Ausgabe jenes Jahres war offizieller Bestandteil des Kulturhauptstadt-Programms, das insgesamt rund 100 Projekte aus Popkultur, Musik, Kunst, Sport und Design in Zusammenarbeit mit zahlreichen Chemnitzer Akteuren versammelte. Eine besondere Tradition des Festivals ist das Artist-in-Residence-Programm, das gemeinsam mit befreundeten Festivals und Institutionen in Europa umgesetzt wird: Partnerinstitutionen erhalten jährlich eine „Wildcard" und schlagen je eine Künstlerin oder einen Künstler für einen mehrwöchigen Residenzaufenthalt in Chemnitz vor. Die Ausgabe 2025 fand vom 18. Juli bis 17. August im Gelände des stillgelegten Braunkohle-Heizkraftwerks Chemnitz-Nord statt; unter dem Titel „Everything Is Interaction" vereinte die Ausstellung 32 internationale künstlerische Positionen, darunter mehrere Teilnehmende der Venedig-Biennale. Während der Residenzzeit arbeiten die eingeladenen Künstlerinnen und Künstler öffentlich sichtbar vor Ort – ein direkter, wenn auch zeitlich begrenzter Zugang zur Werkstattarbeit.
Projekträume und Kunstverein
Projekträume wie das Weltecho und die Galerie Hoch Zwei sind zentrale Orte der freien Szene; beide organisieren Veranstaltungen und gelegentliche Atelierbesuche. Das Weltecho residiert in der „Kammer der Technik" und verbindet Club, Café, Veranstaltungsort und Galerie unter einem Dach; getragen wird es vom 1991 gegründeten Verein Oscar e.V. gemeinsam mit Das Ufer e.V. Der Kunstverein Neue Chemnitzer Kunsthütte e.V. koordiniert darüber hinaus Ausstellungen und Kontakte zwischen Künstlerinnen, Künstlern und Interessierten; er wurde am 24. Januar 1990 in der Tradition der bereits 1860 gegründeten Chemnitzer Kunsthütte neu gegründet. Der historische Vorläuferverein hatte unter seinem Ausstellungsleiter Friedrich Schreiber-Weigand schon früh Werke von Ernst Ludwig Kirchner und Karl Schmidt-Rottluff gezeigt und damit den Expressionismus in der Industriestadt Chemnitz bekannt gemacht. Für spontane Begegnungen mit der Szene sind Ausstellungseröffnungen der direkteste Weg; viele Atelierräume in der Umgebung dieser Projekträume sind aus ehemaligen Gewerbe- und Fabrikflächen entstanden, die nach der Wende leer standen und seither schrittweise von Kunstschaffenden umgenutzt wurden.
Ateliers auf Anfrage
Viele in Chemnitz lebende und arbeitende Künstlerinnen und Künstler sind für persönliche Atelierbesuche offen, insbesondere wenn gezieltes Interesse an ihrer Arbeit besteht. Wer gezieltes Interesse hat, wird über die Website oder den Social-Media-Kanal der Künstlerin oder des Künstlers fündig. Die günstigen Miet- und Lebenshaltungskosten in Chemnitz haben in den letzten Jahren zu einer Verdichtung der freien Szene geführt.
Wer Chemnitz als Kunstziel plant, kombiniert Atelierbesuche mit den Kunstsammlungen Chemnitz und dem Museum Gunzenhauser: Letzteres zeigt die Sammlung des Münchner Galeristen Alfred Gunzenhauser mit mehr als 3.000 Werken von 270 Künstlerinnen und Künstlern, darunter 380 Arbeiten von Otto Dix – eine der weltweit größten Sammlungen zu diesem Künstler. Das Museum ist selbst ein Zeitdokument: Es residiert in einem 1928 bis 1930 von Stadtbaurat Fred Otto im Stil der Neuen Sachlichkeit errichteten ehemaligen Sparkassengebäude, das 2007 vom Berliner Büro Staab Architekten für die museale Nutzung umgebaut wurde. Beide Häuser liegen in der Innenstadt und lassen sich gut mit einem Besuch im Weltecho verbinden. Beide Museen sind fußläufig von den meisten Projekträumen der Chemnitzer Innenstadt erreichbar.