Kunstverein und Galerie im Stadtschloss
Der Kunstverein Fulda wurde 1987 als Fuldaer Künstlerbund e.V. gegründet und 1988 ins Vereinsregister eingetragen; später erfolgte die Umbenennung in Kunstverein Fulda. Der Verein präsentiert in regelmäßigen Ausstellungen zeitgenössische Positionen regionaler Künstlerinnen und Künstler aus Malerei, Bildhauerei, Grafik, Fotografie, Objektkunst und Installation und bietet daneben Kurse, Workshops und Kulturreisen an. Das Fuldaer Stadtschloss, in dem diese Räume liegen, geht auf einen barocken Neubau zurück, den Fürstabt Adalbert I. von Schleifras ab 1706 vom Bamberger Baumeister Johann Dientzenhofer errichten ließ; die vierflügelige Anlage mit ihrem hohen Walmdach prägt bis heute das Bild der Barockstadt Fulda. Die Ausstellungsräume vor den Spiegelsälen im Stadtschloss Fulda, Schlossstraße 1, sind heute ein zentraler Ort des Vereinsprogramms; in seinen früheren Räumen in der Kanalstraße zeigte der Verein zeitweise bis zu zehn Ausstellungen pro Jahr mit externen und Mitgliederkünstlerinnen und -künstlern. Atelierbesuche finden punktuell im Anschluss an Eröffnungen statt; die historischen Räumlichkeiten geben dabei einen besonderen Rahmen für Begegnungen mit der zeitgenössischen Kunst.
Hessisches Atelierprogramm in Fulda
Das Land Hessen fördert über das Hessische Atelierprogramm (HAP) die Umnutzung von Räumen zu Ateliers in mehreren hessischen Städten, darunter neben Kassel, Gießen und Marburg auch Fulda. Ziel des Programms ist es, die Produktionsbedingungen für Absolventinnen und Absolventen der bildenden Kunst, Musik, des Theaters und verwandter künstlerischer Disziplinen zu verbessern und Räume für Recherche, Austausch und Vernetzung zu schaffen. Für Fulda als vergleichsweise kleine Stadt ohne eigenen Kunst- oder Design-Studiengang ist dieses Förderinstrument eine wichtige Voraussetzung dafür, dass sich freischaffende Künstlerinnen und Künstler dauerhaft ansiedeln können.
Atelierbesuche auf Anfrage
Viele in Fulda und der Umgebung arbeitende Künstlerinnen und Künstler sind für persönliche Atelierbesuche offen. Der Kunstverein Fulda vermittelt Kontakte in die freie Szene; bei einer bestimmten Künstlerin oder einem bestimmten Künstler hilft sonst meist ein Blick auf deren Website oder Social-Media-Profil. Die überschaubare Stadtgröße und das aktive Kulturleben Fuldas erleichtern persönliche Begegnungen; die Hemmschwelle für direkte Kontaktaufnahme ist geringer als in Großstädten.
Vonderau Museum als Ergänzung
Das Vonderau Museum ergänzt den direkten Atelierkontakt um die kulturhistorische Perspektive auf die Stadt. Es entstand 1875 durch die Schenkung der privaten Sammlung des Domkapitulars Konrad Hahne an die Stadt Fulda und trug zunächst den Namen „Städtisches Museum“; 1938 erhielt es anlässlich des 75. Geburtstags des langjährigen Museumsleiters Joseph Vonderau, der zahlreiche vor- und frühgeschichtliche Funde aus der Region ausgegraben hatte, seinen heutigen Namen. Kernstück der kulturhistorischen Sammlung ist heute eine umfangreiche Porzellan- und Fayencesammlung aus den beiden im 18. Jahrhundert tätigen Fuldaer Manufakturen, die seit der Museumsgründung kontinuierlich durch Ankäufe und private Nachlässe erweitert wurde. Die ältere der beiden Manufakturen, die 1764 von Fürstbischof Heinrich VIII. von Bibra gegründete Hochfürstlich Fuldische Porzellainmanufaktur, holte den Porzellanfachmann Nikolaus Paul aus Höchst nach Fulda und produzierte bis zu ihrer unrentablen Schließung 1789 nur 25 Jahre lang; ihre Erzeugnisse zählen heute zu den seltensten Sammlungsobjekten des Museums. Das Vonderau Museum liegt am Jesuitenplatz, nur wenige Gehminuten vom Stadtschloss entfernt, und lässt sich gut mit einem Besuch der Ausstellungsräume des Kunstvereins verbinden. Wer den Atelierbesuch mit einem Stadtrundgang verbindet, findet hier den historischen Rahmen, der die Kunstszene Fuldas bis heute prägt – als Ergänzung, nicht als Ersatz für die Begegnung mit den Kunstschaffenden selbst.