Die Prägung
Albrecht Dürer (1471--1528) ist nicht nur der bekannteste Nürnberger Künstler -- er ist eine der wenigen deutschen Figuren der Kunstgeschichte, deren Name weltweit erkannt wird. Das Albrecht-Dürer-Haus auf dem Tiergärtnerplatz, in dem er von 1509 bis zu seinem Tod lebte und arbeitete, ist eines der am besten erhaltenen Bürgerhäuser aus der Blütezeit der Reichsstadt und seit 1828 als Museum geöffnet. Dürers Selbstbildnis von 1500, heute in der Alten Pinakothek München, gilt als Epochenmarke der europäischen Malerei. Weniger bekannt, aber kunsthistorisch ebenso relevant: Die Akademie der Bildenden Künste Nürnberg wurde 1662 gegründet und ist damit die älteste Kunstakademie Deutschlands. Das Germanische Nationalmuseum, 1852 gegründet, vereint rund 1,3 Millionen Objekte aus Kunst und Kulturgeschichte von der Vorgeschichte bis zur Gegenwart; das Kupferstichkabinett allein umfasst 170.000 Druckgrafiken. Diese institutionelle Kontinuität -- von Dürers Werkstatt über die Akademiegründung von 1662 bis zur Museumslandschaft der Gegenwart -- gibt Nürnbergs Kunstszene ein Fundament, das wenige deutsche Städte aufweisen.
Arbeiten in Nürnberg
Die Akademie der Bildenden Künste Nürnberg ist das Zentrum der Kunstausbildung in der Stadt. Mit rund 500 Studierenden in Studiengängen für Malerei, Grafik, Bildhauerei und Kunstvermittlung ist sie eine der mittelgroßen deutschen Kunstakademien; ihr Jahresrundgang gehört zu den wichtigsten öffentlichen Ereignissen der Nürnberger Kunstszene und zieht Sammlerinnen und Sammler aus der gesamten Metropolregion an. Das KunstKulturQuartier im Herzen der Stadt bündelt mehrere Institutionen und Produktionsräume unter einem Dach und schafft Atelierflächen, in denen Bildende Künstlerinnen und Künstler außerhalb des Akademiebetriebs arbeiten können. Der Stadtteil Gostenhof, im Volksmund kurz "GoHo" genannt, hat sich seit den 1990er Jahren als kreatives Viertel etabliert: Hier finden sich Ateliers, Projekträume und Galerien, die die institutionelle Infrastruktur der Stadt dezentral ergänzen. Nürnbergs Förderstruktur schließt städtische Atelierprogramme und Projektstipendien ein; die Metropolregion Nürnberg unterstützt darüber hinaus grenzüberschreitende Kunstprojekte mit Partnern in Bayern und darüber hinaus.
Ausstellungen in Nürnberg
Das Neues Museum Nürnberg (NMN), 2000 nach einem Entwurf von Volker Staab eröffnet, ist das Landesmuseum für Kunst und Design in Bayern außerhalb Münchens. Es zeigt internationale Kunst und Design von 1945 bis zur Gegenwart; der Fokus auf Designgeschichte neben bildender Kunst ist in der deutschen Museumslandschaft ungewöhnlich und charakteristisch für Nürnbergs Selbstverständnis als Handwerks- und Industriestadt mit langer Gestaltungstradition. Die Kunsthalle Nürnberg, ebenfalls im KunstKulturQuartier, bespielt ein weiteres Ausstellungsgebäude mit zeitgenössischen Positionen. Das Germanische Nationalmuseum bietet nicht nur Sammlungsbestände von europäischem Rang, sondern auch Wechselausstellungen zu kunsthistorischen Themen. Kommerzielle Galerien, Projekträume und der Nürnberger Kunstverein bilden ein ergänzendes Netz, das über das KunstKulturQuartier hinausreicht und die lebendige freie Szene mit dem institutionellen Angebot verbindet.
Nürnberg heute
Wer Nürnberg kunstinteressiert besucht, bewegt sich zwischen zwei Polen: dem europäischen Rang der Altstadtsubstanz -- Dürer-Haus, Germanisches Nationalmuseum, gotische Kaiserburg -- und einer zeitgenössischen Szene, die ihren Schwerpunkt im KunstKulturQuartier und in Gostenhof hat. Die Verbindung dieser beiden Pole ist selten: In kaum einer anderen deutschen Stadt sitzt die älteste Kunstakademie des Landes so nah an einem der bedeutendsten kulturhistorischen Museen. Dass Nürnberg gleichzeitig ein wichtiger Designstandort ist, fügt dem Profil eine industrielle und angewandte Dimension hinzu, die sich von der höfischen Tradition Münchens grundsätzlich unterscheidet -- und die erklärt, warum die Stadt nicht nur Kunsthistorikerinnen und Kunsthistoriker anzieht, sondern auch Designerinnen, Gestalter und ein Publikum, das beides für zusammengehörig hält.