Künstler in Düsseldorf: Die Akademie, die Generationen formte
Die Kunstakademie Düsseldorf zählt zu den einflussreichsten Kunsthochschulen der Welt: Von Joseph Beuys über die „Becher-Klasse" der Fotografie bis zur Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen hat die Düsseldorfer Kunstszene Generationen prägender Künstlerinnen und Künstler hervorgebracht und der Stadt am Rhein internationale Ausstrahlung verschafft.Bildende Künstler in Düsseldorf
Arbeiten von Künstlern in Düsseldorf
Mehr Arbeiten entdeckenDie Kunstakademie Düsseldorf
Kurfürst Carl Theodor gründete die Düsseldorfer Akademie 1773 als „Kurfürstlich Pfälzische Academie der Maler-, Bildhauer- und Baukunst"; ab 1819 firmierte sie als Königliche Kunstakademie der preußischen Rheinprovinzen. Über zweieinhalb Jahrhunderte entwickelte sich das Düsseldorfer Haus zu einer der traditionsreichsten und zugleich einflussreichsten Kunsthochschulen Europas. Ihre Blütezeit erlebte die Akademie in den 1960er- und 1970er-Jahren, als Lehrende wie Joseph Beuys, Gerhard Richter und Günther Uecker, die Fluxus-Bewegung sowie spektakuläre Aktionen und Diskussionen das Haus zu einem Brennpunkt der westdeutschen Studierendenbewegung machten. Bis heute zählen unter anderem Sigmar Polke, Anselm Kiefer, Rosemarie Trockel und Katharina Fritsch zu den prägendsten Absolventinnen und Absolventen der Düsseldorfer Akademie – eine Konzentration international bedeutender Positionen, wie sie nur wenige Kunsthochschulen weltweit vorweisen können.
Joseph Beuys an der Akademie
1961 berief die Kunstakademie Düsseldorf Joseph Beuys auf eine Professur für monumentale Bildhauerei – eine Berufung, die das Haus in den folgenden Jahren entscheidend prägte und zu einem Anziehungspunkt für eine ganze Generation experimentierfreudiger Künstlerinnen und Künstler machte. Im Oktober 1972 wurde Beuys von Wissenschaftsminister Johannes Rau seines Amtes enthoben, nachdem er aus Protest gegen den Numerus clausus mehr als fünfzig zuvor abgelehnte Bewerberinnen und Bewerber eigenmächtig in seine Klasse aufgenommen hatte; gemeinsam mit sechzehn Studierenden besetzte er daraufhin die Verwaltungsräume der Akademie, um eine Anhörung zu erzwingen. Die Studierenden wurden zwar zugelassen, das Verhältnis zwischen Beuys und der Hochschulleitung blieb jedoch zerrüttet – ein Konflikt, der bis heute als Symbol für den Umbruch der Kunstausbildung in der Bundesrepublik gilt und in der Düsseldorfer Stadtgeschichte nachwirkt.
Die „Becher-Klasse"
Besondere internationale Ausstrahlung entwickelte die von Bernd und Hilla Becher ab Ende der 1970er-Jahre an der Kunstakademie geprägte Fotoklasse, aus der unter anderem Andreas Gursky, Thomas Struth, Candida Höfer und Thomas Ruff hervorgingen. Aufbauend auf der streng seriellen, dokumentarischen Methode ihrer Lehrer entwickelten diese Fotografinnen und Fotografen eine konzeptuelle, oft großformatige Bildsprache, die international als „Düsseldorfer Schule" bekannt wurde und die zeitgenössische Fotografie bis heute maßgeblich mitprägt. Damit setzte sich an der Düsseldorfer Akademie eine Tradition fort, in der einzelne Lehrklassen weit über die Stadt hinaus zu eigenständigen künstlerischen Marken wurden und den Ruf der Stadt als Ausbildungsort von Weltrang festigten.
Die Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen
Den Grundstein der heutigen Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen legte 1960 der Ankauf von 88 Werken Paul Klees aus dem Bestand des Pittsburgher Sammlers G. David Thompson, vermittelt durch den Basler Kunsthändler Ernst Beyeler; ein Jahr später entstand daraus die „Stiftung Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen" mit Sitz in Düsseldorf. Unter ihrem ersten Direktor Werner Schmalenbach, der das Haus von 1962 bis zu seiner Pensionierung 1990 leitete, wuchs eine der bedeutendsten Sammlungen moderner Kunst in Deutschland heran. 1986 eröffnete am Grabbeplatz das K20 mit seiner markanten schwarzen Granitfassade und einer der weltweit größten Klee-Sammlungen, 2002 folgte im ehemaligen Landtagsgebäude am Ständehaus das K21 für internationale Positionen seit 1980 – ergänzt durch das traditionsreiche Schmela Haus als dritten Standort der Sammlung mitten in der Düsseldorfer Altstadt.
Galerien und Kunstmarkt
Rund um die Akademie und die Kunstsammlung hat sich in Düsseldorf eine dichte Galerienszene etabliert, die das Rheinland gemeinsam mit dem benachbarten Köln zu einem der wichtigsten Kunstmärkte Europas macht. Etablierte Düsseldorfer Häuser arbeiten hier eng mit jungen Projekträumen und den Absolventinnen und Absolventen der Akademie zusammen, sodass sich Tradition und Aufbruch auf engstem Raum begegnen – ein Geflecht, das die Stadt seit Jahrzehnten zu einem festen Anlaufpunkt für Sammlerinnen, Sammler und Kunstinteressierte aus dem In- und Ausland macht und die Bedeutung der Stadt als Kunstmarkt-Standort immer wieder neu bestätigt.
Düsseldorf heute
Zwischen der jahrhundertealten Tradition der Kunstakademie, dem Erbe von Beuys und der „Becher-Klasse" sowie den Sammlungen von K20 und K21 hat sich Düsseldorf zu einer Stadt entwickelt, in der sich akademische Ausbildung, museale Tiefe und freie künstlerische Praxis eng berühren. Auf BK.net präsentieren Künstlerinnen und Künstler aus Düsseldorf ihre Arbeiten in einer Bandbreite, die von der Malerei in der Tradition der Akademie über die konzeptuelle Fotografie der „Düsseldorfer Schule" bis zu Skulptur und zeitgenössischen Mischformen reicht, und machen damit sichtbar, wie lebendig die Düsseldorfer Kunstszene am Rhein bis heute geblieben ist.
